Gut gebrüllt, Löwe!

Mehr Frank Castorf als Andrei Platonow: In der Festwochen-Produktion "Tschewengur" feiert ein Regisseur sich selbst


REZENSION: MARTIN PESL
Feuilleton | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Die Festwochen eröffnen heuer mit einer Entschädigung. Im Vorjahr brachte Frank Castorf hier seine Version von Dostojewskis "Die Brüder Karamasow" zur Uraufführung. Die Premiere wurde teils hymnisch gefeiert, dann erkrankten zwei Darsteller, alle Wiener Folgevorstellungen wurden abgesagt.

Das konnte nicht so stehenbleiben, zumal Castorf ja schon früher oft Festwochengast war. Womöglich wurde deshalb als Gastspiel seine erste Arbeit mit dem Schauspiel Stuttgart eingeladen, obwohl sie nicht zu den herausragendsten der Regielegende gehört, die noch bis 2017 die Berliner Volksbühne leitet.

"Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen" ist wieder die Adaption eines russischen Romans. Dessen Autor Andrei Platonow kennen nur Experten, ihnen gilt er dafür als großer Literat. Eine Art Schwarzmaler des sowjetischen Sozialismus, wurde er von den Herrschenden wenig geschätzt, obwohl er selbst ein glühender Kommunist war. Stalin selbst bezeichnete ihn als Lump und untersagte den Druck seiner

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