Buch der Stunde

Eine Monografie des malignen Mittelfingers

Feuilleton | ANDREAS KREMLA | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Den Stinkefinger kennen wir schon lange. Filmfehler-Suchfreaks hatten "Titanic"-Regisseur James Cameron einst vorgeworfen, seine Protagonistin könne doch anno 1912 noch nicht wissen, was es bedeute, den Finger zu zeigen. Weit gefehlt! Reinhard Krüger verfolgt die Geschichte der phallischen Geste bis ins Paläolithikum zurück. Sicher belegen kann er, dass antike Griechen und Römer einander den Finger zeigten.

In seiner Mittelfinger-Monografie präsentiert der Gestenforscher zahlreiche Beispiele zur Herkunft und Bedeutung des Fingerzeigens sowie Fallbeispiele berühmter Proponenten. Da darf der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den deutschen Kreditgebern in Text und Bild den Finger zeigen und auch die US-Präsidenten Bush senior und Sohn werden einschlägig gezeigt. Ihr Nachfolger Barack Obama hält die Hand mit dem ausgestreckten Mittelfinger nicht ganz so eindeutig an seine Schläfe. In verdeckter Gestik übten sich auch die von nordkoreanischen Streitkräften gefangengenommenen


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