Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Das hätte den Fritz gefreut: Wien hat die "Friedrich-Zawrel-Schule"

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Als Fritz Zawrel einmal gefragt wurde, was einst auf seinem Grabstein stehen solle, da sagte er: "Erbbiologisch und sozial minderwertig". Dieses Stigma hatten ihm NS-Mediziner in einem Gutachten in Kindheitstagen verliehen.

Zawrel, Sohn einer verarmten Mutter und eines abwesenden Vaters wurde in der NS-Euthanasieklinik am Spiegelgrund nicht nur misshandelt, sondern beinahe getötet. Nach seiner Flucht quälten ihn die NS-Justiz und die Gerichte der Zweiten Republik. Aufgrund seines "kriminellen Vorlebens", das darin bestand, ein paar Essenspakete gestohlen zu haben, sperrten ihn die Jugendrichter jahrelang ein. Zawrel geriet auf die schiefe Bahn - und stand auf einmal wieder vor einem Gerichtspsychiater, nämlich dem Spiegelgrund-Mörder Heinrich Gross. Durch das engagierte Eingreifen des Mediziners Werner Vogt kam Zawrel frei und wurde Kronzeuge gegen den von der SPÖ gedeckten Arzt.

Zawrel starb vergangenes Jahr, sein Leben wurde in Büchern und Filmen verewigt, er wurde am Ehrenhain der NS-Justizopfer bestattet.

Vergangenes Jahr hat die ÖVP-Landstraße angeregt, eine Schule im dritten Bezirk nach Zawrel zu benennen. Einige grüne Frauenpolitikerinnen waren zunächst dagegen, weil Zawrel keine Frau ist und Ehrungen von Frauen vorzuziehen seien. Die FPÖ lehnte Zawrels Ehrung ab, weil er im Gefängnis saß und daher kein Vorbild für Schüler sei.

Nun aber ist es so weit. Die Schule in der Hörnesgasse wird nach Zawrel benannt, wie ÖVP, SPÖ und Grüne entschieden haben.

"Mit der Benennung der Schule nach Friedrich Zawrel ist es uns gelungen, sein Andenken zu ehren. Unsere Kinder sollen auch in Zukunft die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel erfahren und somit verstehen, warum sich die Zeit und Geschichte während des Zweiten Weltkrieges nie mehr wiederholen darf", so Sabine Schwarz und Georg Keri. Die Benennung erfolgt Mitte Juni im Rahmen eines Festaktes.


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