Theater Kritik

Die schrillen Buben aus der Schule


MARTIN PESL
Lexikon | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Ein Schauspielschüler kann sich Gernot Plass als Lehrer nur wünschen. Körperbeherrschung und der richtige Rhythmus sind in seinen Inszenierungen das A und O. Dafür zieht man sich dann gerne Kostüme in grellen, sich in jeder Hinsicht beißenden Farben an. Zwei Jahrgänge der Musik und Kunst Privatuniversität (ehemals: "Kons") durften nun mit dem -frisch als Tag-Leiter verlängerten - Plass dessen Überschreibung der Revolutionsposse "Freiheit in Krähwinkel" auf die Bühne bringen. Darin nahm Johann Nestroy 1848 die Zensur und das enge Korsett der Biedermeierzeit aufs Korn. Der neue Text trägt den Titel "Empört euch, ihr Krähwinkler!" und bietet gewohnt viele Kürzestsätze und Dialoge im blitzschnellen Wechsel. Erke Duit untermalt praktisch den gesamten Abend am Klavier und wirft hin und wieder ein typisch nestroysches "Vivat!" Richtung Bühne.

Die Klasse hält bei den Choreografien wacker zusammen, in den Sprechszenen tut sich das eine oder andere komische Talent hervor, allen voran Stanislaus Dick in der Hauptrolle des Undercover-Journalisten Eberhard Ultra und Florian Appelius als sächselnder Sekretär. Auch dem Nestroy-Preisträger Benedikt Paulun, der schon längst außerhalb der Schule in großen (Theater der Jugend) und kleinen Rollen (Burgtheater) Karriere macht, sieht man gerne zu. Für die Schüler ist es ein tolles Herzeigprojekt.

Beim Zusehen und Zuhören jedoch nervt die wirr in eine sozialistische europäische Zukunft verlegte Handlung, aus der nicht ganz hervorgeht, wer oder was eigentlich Zielscheibe von Plass' Politsatire ist. So brillant er sein Handwerk beherrscht, so unsicher bewegt sich der Tag-Leiter auf dem Parkett des politischen Theaters. Daher poltert insgesamt alles viel zu laut und schrill dahin. Wie es im obligatorischen Couplet heißt: "Zvü is hoit zvü."

Tag, Fr, Sa 20.00


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