Kommentar Justiz

Zum Tod des Strafgefangenen mit den verfaulten Füßen


FLORIAN KLENK
Falter & Meinung | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Vergangene Woche verstarb der Häftling Wilhelm S. in der Justizanstalt Wilhelmshöhe. Der Mann sei "friedlich entschlafen". Wilhelm S. war jener Mörder, dessen Füße in der Justizanstalt Stein verfaulten. Der Falter druckte die Fotos des verwahrlosten Insassen und löste damit eine breite Debatte über die Missstände im Maßnahmenvollzug aus.

Monatelang hatte offenbar kein Arzt Wilhelm S. zu Gesicht bekommen, der "geistig abnorme Rechtsbrecher", wie das Gesetz einen wie ihn nennt, hatte sich die Füße absichtlich abgebunden, er wollte verfaulen, um ein aus seiner Sicht verrottetes Justizvollzugssystem an den Pranger zu stellen. Es gelang ihm. S. beteuerte bei einem Haftbesuch, dass er auch ein bisschen stolz gewesen war, die Behandlung von Insassen, wie er einer war, zum Thema zu machen.

Wilhelm S.' Fall hatte dazu geführt, dass die Strafvollzugsdirektion aufgelöst wurde. Das Justizministerium ließ ein Maßnahmenvollzugsgesetz ausarbeiten. Und Justizminister Wolfgang Brandstetter versprach mehr Mittel und bessere Therapiezentren.

Viel wurde von diesen Versprechen noch nicht umgesetzt, aber das Ministerium setzt die richtigen Schritte. Geistig Kranke sollten wie Patienten behandelt werden und nicht mehr wie Sünder.

Wie wichtig ein moderner Maßnahmenvollzug und die Sensibilisierung des Justizpersonals sind, zeigt einmal mehr der Mord am Brunnenmarkt. Hier haben wir es mit einem Menschen zu tun, der vor den Augen aller massiv verwahrloste und dann mordete. Die Justiz wird sich vermehrt um solche Menschen kümmern müssen. Wilhelm S. war eine Mahnung, dass dies menschenwürdig geschehen muss.


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