Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 19/16 vom 11.05.2016

Die Drucker liefen an. Josef Egger sortierte die Post. Ein friedlicher Montag. In der Luft lag der Geruch von Kaffee und der Hoffnung auf einen ruhigen Redaktionsschlusstag. So einer, an dem alle Redakteure ein "18:00h" in die Spalte eintragen, in die man schreibt, wann man nach Hause geht.

Die meisten Geschichten waren schon geschrieben: eine Reportage über den Mord am Brunnenmarkt in der Politik, die Geschichte von Servus TV in den Medien, ein großes Stück über das Altern im Stadtleben. Alles fertig.

Barbara Tòth würde im Laufe des Tages etwas über den Parteivorstand der SPÖ schreiben, aber nicht viel. Was kann da schon passieren? Und dann kam Faymann.

Neben Partei und Regierungskollegen erwischte er mit seinem Rücktritt auch alle Politikjournalisten des Landes auf dem falschen Fuß. Und das sieht dann so aus: Chefredakteur Florian Klenk steigt mit der Koordinatorin des aktuellen Politikteils Nina Brnada die Stiege in die Grafik hinauf. Sie wirken nervös, mit ihren Seitenplänen in der Hand, nehmen manchmal zwei Stufen auf einmal. "Faymann ist zurückgetreten." An einem Montag.

Oben wird der Seitenspiegel weggeschmissen und ein neuer gezeichnet. Barbara Tòth und Josef Redl laufen durch die ganze Stadt, um alles über den Rücktritt zu erfahren. Am Ende steht ein neues Cover, ein kluger Hintergrund über den alten und ein Ausblick auf den möglichen neuen Kanzler. Dienstagvormittag wird die Nummer fertig sein. Wenn nichts mehr passiert.


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