Musikvermarktung 2.0

Fast wie einst: Musikhören als gemeinsames Erlebnis

SEBASTIAN FASTHUBER | Falter & Meinung | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Die ständige Verfügbarkeit von Musik übers Internet hat die Hörgewohnheiten massiv verändert.

Jeder streamt, worauf er gerade Lust hat. Oft ist es Musik aus dem Jahre Schnee. Selbst bekannten Bands fällt es immer schwerer, mit neuer Musik Gehör zu finden. Als guter Weg setzt sich gerade das Veröffentlichen von Alben aus heiterem Himmel durch. Vorreiterin war R&B-Sängerin Beyoncé, die im Dezember 2013 ohne Vorwarnung ihr Album "Beyoncé" über iTunes verfügbar machte.

Diese Vorgangsweise passt in unsere Zeit. Früher wurden Alben von Superstars über Monate im Voraus beworben, angesichts der Halbwertszeit von Informationen schießt man die Info heute ganz kurzfristig über die Social-Media-Kanäle raus und kann sich der Aufmerksamkeit der Fans sicher sein. Zuletzt bedienten sich mit Beyoncé, den Indie-Superstars Radiohead, dem Balladenmann James Blake und dem Rapper Drake gleich mehrere Acts dieser Strategie und wandelten sie leicht ab. Sie setzten bewusst auch eine Uhrzeit fest, zu der die Musik zugänglich gemacht wurde.

Interessanterweise wählten sie die TV-Hauptabendzeit und schafften damit in der Ära des On-demand-Listenings und -Viewings etwas Außergewöhnliches: ein gemeinsames Hörerlebnis. Einst fieberte man dem neuen Album seiner Lieblingsband entgegen, rannte am Tag X ins Plattengeschäft und traf sich abends mit Freunden zum gemeinsamen Hören.

Heute setzt man sich am digitalen Lagerfeuer zusammen und tauscht sich über Facebook oder Whatsapp live darüber aus, wie großartig das neue Album von Radiohead ist. Einziger Wermutstropfen: Die Methode funktioniert nur bei Musikern, die schon einen Namen haben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige