TV-Kolumne

Zeit am Schirm

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Wenn in der Politik überraschende Dinge passieren, schlägt die Stunde der Politikberater. Als unlängst Bundeskanzler Werner Faymann zurücktrat, eilten die Experten von Studio zu Studio. Thomas Hofer etwa tauchte fast gleichzeitig in den Sendungen von ORF, ATV und Puls 4 auf.

Der ideale Politikberater ist ein Mann ohne Eigenschaften. Über den Lauf der Dinge kann er nur spekulieren, der Anzug signalisiert Unauffälligkeit. Seine Antworten sind ein Echo des Gegenübers und vermeiden jede Kontroverse. Wie Politiker und Politikerinnen will er sich nicht festlegen lassen. Der Politikberater, meist ist er tatsächlich ein Mann, fürchtet Prognosen, denn er ist auf dubiose Meinungsumfragen angewiesen. Daher will er nie die Zukunft vorhersagen, etwas bestimmter wird er erst dann, wenn er Ereignisse retrospektiv kommentiert. Er sagt dann Dinge wie: "Der Rücktritt Faymanns hat sich abgezeichnet." Politiker und Politikerinnen werden abgewählt, weil sie mehr Floskel als Rückgrat sind. Würde doch endlich auch einmal ein Politikberater zurücktreten.


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