Wen wählen?

Der große Präsidenten- Faktencheck

Wer war schon einmal beim Schamanen? Wer will als Bundespräsident mit dem Besen durch das Land fegen? Wer hört Amy Winehouse und wer lieber Adele? Die beiden Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer im Falter-Test


ZUSAMMENSTELLUNG: NINA HORACZEK
Politik | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Europa: Für welches EU-Bild stehen Hofer und Van der Bellen?

Van der Bellen Wünscht sich Vereinigte Staaten von Europa, in denen nicht nationalstaatliche Interessen im Vordergrund stehen. Die Mitgliedsstaaten sollen weniger Vetomöglichkeiten haben. Dafür soll das EU-Parlament aufgewertet werden.

Hofer Hat mit der Feststellung, er würde auch heute wieder gegen einen EU-Beitritt Österreichs stimmen, in Brüssel für Verwunderung gesorgt. Kämpft gegen eine "zentralistische" Union, wünscht sich ein "Europa der Vaterländer".

Transatlantischer Freihandel: Würden sie TTIP unterzeichnen?

Van der Bellen Erklärte noch vergangenen September, er sei prinzipiell für TTIP, es gebe lediglich verschiedene Probleme, die sich noch lösen ließen. Mittlerweile fordert Van der Bellen einen Verhandlungsstopp und sagt, er werde TTIP nicht zustimmen, weil es den Verkauf gentechnisch veränderter Lebensmittel zulassen würde und die regionale Landwirtschaft massiv gefährde.

Hofer Verspricht, das Abkommen auch dann nicht zu unterzeichnen, wenn das Parlament dafür gestimmt hat, und will eine TTIP-Volksabstimmung.

Regierung: Wie gut verstehen sie sich mit Rot und Schwarz?

Van der Bellen Wird von vielen SPÖ-und ÖVP-Politikern unterstützt, hat als langjähriger Klubobmann eine Gesprächsbasis mit beiden Parteien.

Hofer Hat Rot-Blau im Burgenland verhandelt und zumindest zum burgenländischen SP-Chef Hans Niessl einen guten Draht. Seine Partei regiert in Oberösterreich auch mit der ÖVP. Und als Dritter Nationalratspräsident war Hofer mit SPÖ und ÖVP in ständigem Kontakt.

Beruf: Was haben die beiden Kandidaten eigentlich gelernt?

Van der Bellen Hat in Innsbruck Volkswirtschaftslehre studiert, war bis zu seinem Wechsel in die Politik 1994 Wirtschaftsprofessor und Dekan an der Uni Wien mit den Spezialgebieten öffentliche Finanzierung, Steuerpolitik sowie Umwelt-und Verkehrspolitik.

Hofer Hat im Burgenland eine HTL für Flugtechnik besucht und arbeitete nach dem Grundwehrdienst zuerst einige Monate als Kücheneinrichtungsberater und dann drei Jahre lang als Triebwerkstechniker bei Lauda Air. 1994 wechselte er für die FPÖ in die Politik.

Politik: Wie fanden Van der Bellen und Hofer zu ihren Parteien?

Van der Bellen War viele Jahre lang SPÖ-Mitglied, wurde erst Anfang der 1990er-Jahre als Ökonomieprofessor vom grünen Abgeordneten Peter Pilz in die Politik gelockt. Damals unterstützte Van der Bellen Pilz bei dessen Recherchen zum Buch "Die Panzermacher" über die österreichische Rüstungsindustrie und knüpfte dadurch Kontakte zur Ökopartei. 1992 nominierten die Grünen Van der Bellen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten, 1994 zog er als grüner Wirtschaftssprecher in den Nationalrat ein.

Hofer Trat mit 18 Jahren der FPÖ bei. Hofer sagt, es sei eine Protestentscheidung gewesen. Denn als sein Vater, zuvor ÖVP-Bezirkspolitiker, Anfang der 1990er-Jahre als Unabhängiger für die FPÖ kandidieren wollte, habe dessen Dienstgeber ihm berufliche Konsequenzen angedroht. Diese Drohung habe auch Hofer junior so verärgert, dass er der FPÖ beitrat. Recherchen des Magazins Profil ergaben anderes: So sei Hofers Vater kein unabhängiger Politiker, sondern FPÖ-Gemeinderat und Obmann des FPÖ-Seniorenrings in Pinkafeld gewesen.

Politkarriere: Was haben die beiden in ihrer Partei erreicht?

Van der Bellen War von 1997 bis 2008 Parteichef der Grünen und von 1999 bis 2008 grüner Klubobmann im Nationalrat. Von 2008 bis 2012 war er außenpolitischer Sprecher, danach Gemeinderat im Wiener Rathaus, wo er von Rot-Grün zum "Universitätsbeauftragten" bestellt wurde. Seit Herbst 2008 hat Van der Bellen keine Parteifunktion mehr, seit 2015 kein politisches Amt.

Hofer Ist seit 2005 Vizeparteichef der Freiheitlichen und somit Heinz-Christian Straches Vertretung, wenn dieser zum Beispiel im Ausland ist. In dieser Funktion ist Hofer aber jahrelang nur intern aufgetreten, einer breiteren Öffentlichkeit wurde er erst bekannt, als er im Oktober 2013 zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt wurde.

Die Religionsfrage: Wie halten sie es mit dem Islam?

Van der Bellen Betont, dass der Islam seit 1912 anerkannte Religion und damit Teil von Österreich ist. Spricht sich gegen ein Kopftuchverbot aus.

Hofer Sagt, der Islam sei kein Teil von Österreich und nennt den muslimischen Glauben "eine Religion, die die Welt als Kriegsschauplatz ansieht - und zwar so lange, bis die gesamte Menschheit islamisch ist". Hofer tritt auch für ein Burka-und Kopftuchverbot im öffentlichen Raum ein.

Freizeit: Welche ungewöhnlichen Hobbys haben die beiden?

Van der Bellen Entenhausen. Aber nur die Donald-Duck-Comics von Carl Barks, am liebsten in der deutschen Übersetzung von Erika Fuchs.

Hofer Waffen. Der FPÖ-Politiker schießt gerne und ist Besitzer einer Glock.

Gesellschaftspolitik: Wie halten es die beiden mit der Familie?

Van der Bellen Hat sich nach einigen Jahrzehnten Ehe von seiner ersten Frau, mit der er zwei mittlerweile erwachsene Kinder hat, scheiden lassen. Kurz vor seinem Antreten bei der Bundespräsidentschaftswahl hat Van der Bellen seine langjährige Lebensgefährtin Doris Schmidauer geheiratet. Schmidauer ist Geschäftsführerin des grünen Parlamentsklubs und möchte diesen Job auch nicht aufgeben, wenn ihr Mann in die Hofburg einzieht. Unter Van der Bellens Familienbegriff fallen auch homosexuelle Regenbogenfamilien.

Hofer Ist in zweiter Ehe verheiratet, hat drei erwachsene Kinder aus erster Ehe und mit seiner zweiten Frau eine zwölfjährige Tochter. Sollte er die Wahl gewinnen, hat Hofers Frau bereits angekündigt, ihren Job als Altenpflegerin aufzugeben. Politisch definiert Hofer Familie als Mann-Frau-Kind-Gemeinschaft, fügt aber hinzu, dass auch Alleinerzieher und Patchwork-Familien unter seine blaue Familiendefinition fallen. Hofer war in der Väterrechte-Bewegung äußerst aktiv.

Noch mehr Familie: Was sagen die beiden zur Homo-Ehe?

Van der Bellen Seine grüne Partei zählt zu den Vorkämpfern für Homo-Rechte. Die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften bezeichnet Van der Bellen als ein "grundlegendes Menschenrecht", und er spricht sich auch für das Adoptionsrecht für Homosexuelle aus: "Was zählt, ist, dass das Kind die nötige Liebe bekommt und in einer vertrauensvollen, sicheren Umgebung aufwachsen kann."

Hofer Ist gegen eingetragene Partnerschaften für Homosexuelle und auch dagegen, dass Schwule und Lesben Kinder adoptieren dürfen. Hofer lehnt auch ab, dass die Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung im Asylverfahren als Fluchtgrund anerkannt wird.

Abtreibung: Verbieten oder sogar auf Krankenschein?

Van der Bellen Spricht sich für das Recht von Frauen auf Abtreibung aus, kann sich auch Abtreibung auf Krankenschein vorstellen.

Hofer Greift die Fristenregelung nicht an, möchte aber Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern verbieten. Das von ihm verfasste "Handbuch freiheitlicher Politik" bezeichnet die Gebärmutter als "Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in Österreich".

Sozialpolitik: Welchen Sozialstaat wollen Hofer und Van der Bellen?

Van der Bellen Schon unter Van der Bellen als Parteichef plädierten die Grünen für eine bedarfsorienterte Mindestsicherung. Als Bundespräsident möchte er den Fokus auf die Armutsbekämpfung legen.

Hofer Fordert eine eigene Sozialversicherung nur für Ausländer ohne einen Cent Steuergeld. Ausländer sollen lediglich einen Basisschutz erhalten, Sozialleistungen wie Mindestsicherung, Kinderbetreuungsgeld, Arbeitslosengeld oder Familienbeihilfe sollen nur Österreicher bekommen dürfen.

Bundesheer: Soll das Heer eine ordentliche Geldspritze bekommen?

Van der Bellen Sagt zwar, gemessen am Brutto inlandsprodukt sei das Heeresbudget niedrig. Mehr Geld sollen die Soldaten aber nur bekommen, wenn dafür nicht bei Bildung und Sozialem gespart wird.

Hofer Verspricht, das Heeresbudget auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, und möchte Grundwehrdiener die Grenzen sichern lassen. Hofer kann sich auch eine Verlängerung des Grundwehrdienstes vorstellen.

Hoppala: Wer hat sich welchen Fehlgriff im Wahlkampf geleistet?

Van der Bellen Sorgte mit seiner Ankündigung, FPÖ-Chef Strache auf keinen Fall als Bundeskanzler angeloben zu wollen, bei potenziellen Wählern für Unverständnis. Rudert in dieser Frage seitdem zurück: Jetzt heißt es nur mehr, er werde als möglicher Bundespräsident im Vorfeld einer Regierungsbildung alles rechtlich Mögliche für eine Regierungsmehrheit ohne FPÖ-Beteiligung unternehmen.

Hofer Antwortete in einem Interview mit der Gratiszeitung Heute auf die Frage, ob er Antifaschist sei, mit einem knappen "Nein". Begründung: Der Antifaschismus sei etwas Extremes und Extreme lehne er prinzipiell ab. Damit stellt Hofer den antifaschistischen Grundkonsens der Zweiten Republik in Frage.

Amtsverständnis: Wie legen die beiden die Hofburg-Rolle an?

Van der Bellen Traditionell. Stellt sich gerne in die Tradition der Bundespräsidenten Franz Jonas, Rudolf Kirchschläger und Heinz Fischer. Verspricht, in die Hofburg Philosophen, Künstler, aber auch NGOs zum Gedankenaustausch einzuladen.

Hofer Autokratisch. Hofer will als Bundespräsident "mit einem Besen durch das Land fegen" und die Bundesregierungen auch zu Sitzungen in Brüssel begleiten. Im Wahlkampf drohte er der Regierung bereits zwei Mal mit ihrer Entlassung: wenn sich ihre Flüchtlingspolitik nicht an den blauen Vorstellungen orientiere und wenn die Regierung Steuern erhöhen wolle. Als mögliches First Couple wollen die Hofers "die Hofburg entstauben".

Außenpolitik: Wer war auf Reisen, wer kennt die Welt?

Van der Bellen War außenpolitischer Sprecher der Grünen und hat insgesamt 19 Länder in offizieller Mission als Politiker besucht, darunter Japan, Jordanien oder Äthiopien sowie 2008 auch gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer Mali. Außerdem ist Van der Bellen Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die Vereinten Nationen.

Hofer Ist in politischer Funktion bis jetzt kaum gereist. Seit 2013 hat er als Dritter Nationalratspräsident Israel, die Tschechische Republik und Südtirol besucht und war einmal Gast beim International Prayer Breakfast in Washington, wo er Reden von US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama lauschte. Für seinen ersten Staatsbesuch möchte er in die Schweiz reisen und er möchte die Paralympics, die Olympischen Spiele für Menschen mit Behinderungen, besuchen. Ansonsten hätte er als Bundespräsident ohnehin "sehr viel in Österreich zu tun, um viele Dinge wieder zurechtzurücken, die derzeit nicht funktionieren".

Blöd gelaufen: Der bisher größte Fauxpas als Politiker

Van der Bellen Führte 2010 in Wien einen Vorzugsstimmenwahlkampf und versprach, in einer rotgrünen Regierung Gemeinderat zu werden. Rot-Grün kam, aber Van der Bellen blieb lieber im Parlament. Erst 2012 wechselte er ins Rathaus.

Hofer Kokettierte regelmäßig mit der Abschaffung des gesetzlichen Verbots nationalsozialistischer Wiederbetätigung. Zuerst forderte er eine Volksabstimmung darüber, dann meinte er, dieses spieße sich mit der Meinungsfreiheit. Später korrigierte er, das Verbotsgesetz solle bleiben. Heute meint Hofer, das Gesetz sei wichtig, weil durch die vielen muslimischen Flüchtlinge der Antisemitismus nach Österreich importiert werde.

Überirdisches: Wer besuchte schon einmal einen Schamanen?

Van der Bellen Ist nicht gläubig, mag aber die Botschaft des Neuen Testaments, etwa das "Gleichnis vom barmherzigen Samariter", das die moralische Pflicht, anderen zu helfen, aufzeigt. Manchmal spricht Van der Bellen aber auch mit Tieren, sagt zu einem Laubfrosch im Wald: "Hey Kumpel, wollte nicht stören."

Hofer Hat Bibeltexte auf seinem Schreibtisch liegen und verriet, "ich spreche jeden Tag mit meinem Schöpfer". 2009 ist Hofer aus der katholischen Kirche ausgetreten und wurde evangelisch. Der Bundespräsidenten-Anwärter hat aber auch schon Schamanen und Geistheiler konsultiert. So steht es in der von Hofers verfassten Autobiografie mit dem Titel "Warum gerade ich?". Hofers Pressesprecher dementiert den Schamanismus-Ausflug seines Chefs: "Hofer war doch nur zur Akupunkturbehandlung in einem Zentrum, in dem es auch Schamanen und Esoterik gab."

Flüchtlinge: Willkommen heißen oder Zäune bauen?

Van der Bellen Plädiert dafür, dass Menschen, die vor Krieg und Folter flüchten, in Österreich ein faires Verfahren bekommen. Möchte Trennung in Kriegs-und Wirtschaftsflüchtlinge. Für Zweitere sieht der Kandidat der Grünen wegen fast 500.000 Arbeitslosen im Land keinen Platz. Möchte als Bundespräsident auf europäischer Ebene für eine EU-weite Lösung der Flüchtlingsfrage lobbyieren. Im Inland sieht er Caritas und Co als seine Partner im Flüchtlingsbereich.

Hofer Nennt die Menschen, die in Österreich um Asyl ansuchen, eine "muslimische Invasion". Hofer möchte Grenzzäune errichten und keine Asylwerber nach Österreich lassen. Außerdem plädiert die FPÖ für eine "Minuszuwanderung" nach Österreich und will die Flüchtlingshelferin Ute Bock am liebsten vor Gericht sehen.

Heimat: Wie halten die beiden es denn mit Österreich?

Van der Bellen Steht im Wahlkampf auf dem Acker, Motto: Wir lassen uns die Heimat nicht von den Rechten wegnehmen. Das Kalkül: Wer als Grüner gewinnen will, muss Signale nach rechts senden.

Hofer Wäre der erste "Kulturdeutsche" an der Spitze des österreichischen Staates. Er sorgte dafür, dass die FPÖ Österreich als "Teil der deutschen Volks-,Sprach-und Kulturgemeinschaf" sieht. Auch Hofers Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld meint: "Unbeschadet ihres Bekenntnisses zum selbständigen Staat Österreich sieht die Burschenschaft das deutsche Vaterland unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen."

Steuern: Sollen die Abgaben rauf oder runter?

Van der Bellen Tritt für "moderate Vermögenssteuern" von 0,5 Prozent und eine stärkere Besteuerung des 13. und 14. Gehalts von Großverdienern ein. Dafür keine Kürzung der Mindestsicherung, auch nicht für Flüchtlinge.

Hofer Möchte die Regierung entlassen, wenn sie Steuern erhöht und die Einsparungsvorschläge des Rechnungshofs nicht umsetzt. Will auch Flüchtlingen die Mindestsicherung streichen.

Kultur: Was lesen und hören die denn so?

Van der Bellen Jazz-und Krimifan. Am liebsten hört er Ornette Coleman und John Coltrane sowie Amy Winehouse. Lieblingsstück ist Becketts "Warten auf Godot". Liest am liebsten Patricia Highsmith.

Hofer Lieblingsmaler ist der stramm rechte Zeichner Odin Wiesinger. Mag aber auch Bert Brecht, Cat Stevens, Eric Clapton, Billy Joel und Adele.

Ideologie: Radikal oder doch eher ganz normal?

Van der Bellen Hatte als Parteichef regelmäßig mit seiner Parteijugend zu kämpfen, die den Oldie für einen neoliberalen Konservativen hielt. Auch in diesem Wahlkampf muss er sich dafür rechtfertigen, dass die Grüne Jugend 2007 Plakate mit dem Slogan "Wer Österreich liebt, muss scheiße sein" produziert hatte. Aufgrund seiner Biografie -die Eltern flohen während des Zweiten Weltkriegs vor den Sowjets aus Estland ins damalige Deutsche Reich -lässt sich aus ihm kein linker Revolutionsträumer machen.

Hofer Nannte schon vor 20 Jahren die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht einen "perversen Exhibitionismus der staatssubventionierten Linken" und meint heute, der neue Faschismus sei der Antifaschismus. Hofer warnte zwar kürzlich vor den rechtsextremen Identitären. In seiner Partei gibt es aber enge Verbindungen zu diesen Rechtsradikaln, die erst kürzlich die Aufführung eines Elfriede-Jelinek-Stücks stürmten. Außerdem tat Hofer sich schwer, den 8. Mai, Tag der Kapitulation Nazi-Deutschlands, als Freudentag zu feiern. Was im Zusammenhang mit einem Krieg stehe, könne nie ein Freudentag sein, meinte er erst, mit einiger Zeitverzögerung stellte er dann klar: "Dass der Weltkrieg aus ist und Österreich von der Nazidiktatur befreit wurde, ist natürlich ein Tag der Freude."

Unabhängigkeit: Wie sehr hängen die beiden an ihren Parteien?

Van der Bellen Hat sich als unabhängiger, überparteilicher Kandidat präsentiert, den Wahlkampf lässt er aber die grüne Partei finanzieren.

Hofer Ist Kandidat der FPÖ, wird seine Parteimitgliedschaft erst nach einer gewonnenen Wahl ruhend stellen, hat aber auch angekündigt, dass er seine ideologische Herkunft auch als Bundespräsident nicht verstecken werde.

Unterstützer: Wer hilft diesmal zu welchem Kandidaten?

Van der Bellen Breites Personenkomittee mit vielen Künstlern und Prominenz aus Wirtschaft, SPÖ, ÖVP und Neos. Sogar Jörg Haiders früherer Pressesprecher Stefan Petzner erklärte, Haider würde sich in diesem Duell nicht für Hofer entscheiden.

Hofer Hat kein Personenkomittee, dafür weniger geliebte Unterstützung aus dem Ausland. Nach dem Sieg im ersten Wahlgang jubelte die neonazistische deutsche NPD: "In ganz Europa brauchen wir politische Erdbeben wie in Österreich."

Umweltschutz: Ist der Grüne oder der Blaue der größere Öko?

Van der Bellen Fährt ein Hybrid-Auto und erzählte in einem Interview, er rette ertrinkende Bienen aus Gläsern. Bei den Grünen war der Wirtschaftsprofessor aber nie als Birkenstock-Öko verschrien.

Hofer Ist für FPÖ-Verhältnisse durchaus erfahrener Umweltexperte. Fährt Elektro-Scooter und kennt sich mit Energieautarkie aus. Hat aber auch ein Faible für Chemtrail-Verschwörungstheorien.

Tonfall: Wird der künftige Staatschef poltern oder parlieren?

Van der Bellen Ist für lange Nachdenkpausen bekannt. Wird schwierig, seine Neujahrsansprache in fünf Minuten unterzukriegen. Aber kein Polterer.

Hofer Schaut sanftmütig drein, kann aber auch anders. Seinen Konkurrenten Van der Bellen nannte er einen "grünen faschistischen Diktator". Als sein Parteichef Strache Werner Faymann einen "Staatsfeind" schimpfte, meinte Hofer, "Staatsfreund ist er keiner", und als Hofers Parteifreund Christian Höbarth Flüchtlinge als "kulturferne und ungebildete Höhlenmenschen und Ziegenhirten" bezeichnete, sagte Hofer: "Ziegenhirt ist kein Schimpfwort."

Für diese Gegenüberstellung wurden folgende Quellen verwendet:

FPÖ: Handbuch freiheitlicher Politik, FPÖ-Parteiprogramm, beschlossen am 8. Juni 2011, Die Grünen: Parteiprogramm, beschlossen am 7. und 8. Juni 2001, Interviews aus den Tageszeitungen Die Presse, Der Standard, Kronen Zeitung, Wiener Zeitung und Österreich, Artikel aus den Magazinen News und Profil, Zitate aus den TV-Konfrontationen von ORF und Puls 4 sowie die Bücher Alexander Van der Bellen: Die Kunst der Freiheit, Norbert Hofer: Warum gerade ich? Leben nach der Querschnittslähmung und Nina Horaczek/Claudia Reiterer: HC Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde


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