Wiener Festwochen Tipps

Von Litauen bis Israel: Neues aus dem Osten

Lexikon | MARTIN PESL | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Die Wiener Festwochen sind längst eröffnet, aber erst diese Woche kommt das Schauspielprogramm so richtig in die Gänge. Chefin Marina Davydova ist Russin und legt heuer folgerichtig einen Fokus auf Theater aus dem Osten. Mit "Látszatélet / Scheinleben" feiert der ungarische Bühnenund Filmregisseur Kornél Mundruczó die Uraufführung seiner neuesten Theaterproduktion, in der er zwei "Duette", die zu unterschiedlichen Zeiten in ein und derselben Wohnung spielen, gegenüberstellt. Statt krasser Darstellungen körperlicher Gewalt, wie man sie von ihm aus "Schande" und dem "Frankenstein-Projekt" kennt, behandelt er diesmal eher geistigen Missbrauch (Museumsquartier, Halle G, 21. bis 24. Mai).

Aus Litauen kommt Oskaras Koršunovas, er inszeniert Maxim Gorkis bekanntes Armendrama "Dugne / Nachtasyl", aber nur den 4. Akt und zwar als wodkaseliges Gespräch mit dem Publikum. Der Abend dauert nur eine Stunde, und es kann leicht sein, dass man Hochprozentiges angeboten bekommt (Brut, 23. bis 26. Mai).

Deutlich länger, aber mit zwei Pausen versehen ist der Abend von Konstantin Bogomolov, der schon 2014 mit seiner Trash-WG-Sitcom "Stavangera" amüsierte. Diesmal projiziert sein Tschechow-Künstlertheater die Oscar-Wilde-Salonkomödie "Ein idealer Gatte" auf ein dekadentes Moskau der Gegenwart (Museumsquartier, Halle E, 25. bis 28. Mai).

Choreograf Nir de Volff stammt zwar auch aus dem Osten (Israel), lebt aber seit 2007 im Norden (Berlin), während seine Produktion mit Autor und Regisseur Falk Richter den Namen eines Kleinstaats im Süden im Titel trägt: "Città del Vaticano" ist eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Wien und verhandelt mit dessen Ensemble und internationalen Performern das Thema Religion aus der Sicht der jungen Generation (20. bis 24. Mai).

Information: www.festwochen.at


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