Film Neu im Kino

Witch-Horror: frommer Koller, gottloser Bock

DREHLI ROBNIK | Lexikon | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Ein Allerweltstitel: "The Witch". Aber der hat es in sich -das Doppel-V der Offizialschreibweise "VVitch" -, und es kommt etwas hinzu: der Untertitel "A New England Folktale". Sprich: Der Film will was.

Nordamerikas Kolonialfrühgeschichte, 1630. Eine religiös dissidente Familie mit fünf Kindern verlässt die Gemeinde, zieht weit fort an den Waldrand. Das sich hinter ihnen schließende Tor der Puritanersiedlung gibt den Blick auf einige American Natives frei: Die Kleingruppe, die wie so viele nach ihnen (in so vielen Filmen) in den Wilden Westen aufbricht, lässt auch die "Indianer" in der Zivilisation zurück; was sie an Begegnungen erwartet, ist nichtmenschlicher Art. Ihre Erinnerungen gehören ihrem Herkunftsland England; ihre Herzen und Handlungen ganz Gott. Ein Bild frömmelnden Farmalltags als Variation des Szenarios vom Hüttenkoller, der in Gewalt mündet.

An Hellsicht -from hell - für Machtspiele im gelebten Raum wäre hier mehr drin. Der US-Independent-Grusler läuft in Sachen Sinn fürs Soziale und Historische doch bald etwas leer -das aber auf Hochtouren: Erzählshifts rund ums Mutmaßen, wer denn hier Kinder fortholt und Alltägliches ominös macht (auch ein schwarzer Bock ist ein Haustier), sind der Rahmen, den die Regie des zuvor als Ausstatter tätigen Robert Eggers mit Dunkelheit füllt. Was sich abzeichnet, ist lange nur Andeutung im Kerzenlicht, ein Hauch von Hexenhaus und Black Sabbath. Gediegen die Soundscape (melodisches Altenglisch, Vaters Bassstimme, manch tonlose Szene) und das Ensemblespiel; Anya Taylor-Joy als ältere Tochter sticht hervor. Reduziertes Setting, aber Rütteln im Kinositz: Streicher kreischen, Chöre schwellen an, abrupte Schnitte kippen uns in -ganz normale Anblicke. Die tragen ihre Unheimlichkeit und virtuose Gestaltung gleichermaßen zur Schau.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmhaus)


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