Dichterbeschwörung

Dem Scheitern zum Trotz: In Heiner Müllers "Auftrag" bei den Festwochen wünscht man der Revolution noch eine Chance


THEATERKRITIK: MARTIN PESL
Feuilleton | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Sie ist kaum zu erkennen. Unter einem kegelförmigen Hut und weißer Schminke verbirgt sich ein deutscher Filmstar: Corinna Harfouch, bekannt etwa als Magda Goebbels in "Der Untergang", trägt auf einer leergeräumten Bühne den berühmten Fahrstuhl-Monolog von Heiner Müller vor. Ein Mann auf der Liftfahrt zum Chef findet sich plötzlich auf einer Dorfstraße in Peru wieder und sieht sein Leben in Gefahr. Die Sätze sind lang und verschachtelt, Harfouch brilliert: pure, schnörkellose Schauspielkunst.

So minimalistisch geht es im Rest von Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Inszenierung des Heiner-Müller-Dramas "Der Auftrag" nicht zu. Das Regie-Duo schöpft so ziemlich alle Mittel des Theaters aus: Eine Band wird aus dem Orchestergraben hochgefahren, es gibt Akrobatik, Commedia dell'Arte und Livevideos aus einer Art WG der Revolutionäre, in der die Schauspieler als Ché, Mao oder Trotzki verkleidet Alltagstätigkeiten nachgehen.

Und doch wirkt das alles nicht beliebig, da Kühnel und Kuttner

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