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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Namenswitze entwickeln sich zu einem Zugang zur Politik. Die Social-Media-Blase von Twitter bis Facebook konnte sich gar nicht halten vor lauter Freude über den neuen Bundeskanzler und dessen Nachnamen Kern: "Kernkompetenz","Kernenergie" und "Ich finde ja: Alle Wortspiele mit dem Namen des neuen Bundeskanzlers kern verboten" waren die Ergebnisse.

Sebastian Kurz ist im südslawischen Sprachraum zu ungeahnter Berühmtheit gelangt. Als die Zeitungen schrieben, die Außenministerin empfange "je primila Kurza", konnte man sich vor Lachen nicht halten. Der kroatische Akkusativ von Kurz, "Kurza", ähnelt dem Akkusativ des Wortes "kurac", das bekanntlich Schwanz bedeutet. Ergo: Die Außenministerin hat einen Schwanz empfangen. Jörg Haider leistete sich einen seiner rhetorischen Tiefpunkte mit dem Namen Ariel Muzicants, wir erinnern uns.

Eigentlich sind Namenswitze seit dem nationalsozialistischen Hetzblatt Der Stürmer tabu. Doch offenbar würde ohne sie die Politikverdrossenheit grassieren.


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