Neue Bücher Noch mehr Texte mit Füchsen und anderen Tieren


KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

"What Does the Fox Say?" frugen die Scherzkekse der norwegischen Band Ylvis in ihrem 594 Millionen Mal angeklickten Youtube-Hit "The Fox". Gute Frage. Sie stellt sich auch angesichts des 1922 erschienenen "Dame zu Fuchs", in der sich eine junge Ehefrau vor den Augen ihres Mannes ansatzlos in eine Füchsin verwandelt. Die beiden sehen einander lange wortlos an, brechen in Tränen aus -und finden einen Modus vivendi, der zunächst noch in sehr zivilisierten Bahnen verläuft: "Vergaß er die Essenszeit, kam sie und zupfte ihn am Ärmel und sagte, als könne sie sprechen: ,Gibt es heute gar kein Mittag, mein lieber Mann?'"

Man wird derzeit kaum ein Buch finden, das kurzweiliger und abgründiger wäre als dieser Roman des Briten David Garnett (1892-1981). Er ist zugleich Utopie der Patchworkfamilie und eine Chronik fortschreitender Verwilderung. Und: Er geht nicht gut aus.

David Garnett: Dame zu Fuchs. Roman. Deutsch von Maria Hummitzsch. Dörlemann, 160 S., € 17,50

Um den Fuchs kommt auch der aus Vorarlberg stammende und in Wien lebende Christian Futscher nicht herum. Einmal ist es jener aus dem überschätztesten Buch der Welt ("Der kleine Prinz"), ein andermal ist es ein toter Fuchs im Garten der Mutter, der womöglich auch ein Maulwurf oder Marder war. Ob Adolf Muschgs Roman "Im Sommer des Hasen", der Kosename einer Komatösen ("Hasi") oder Wolf Haas' - alles, was irgendwie animalische Assoziationen abwirft, ist dem Autor dieser Kurz-und Kürzesttexte recht, auch sein allererstes Gedicht: "Ich ging meines Weges eilig dahin, / da sah ich einen Wurm auf der Straße lieg'n."

Das ist so schlecht, dass es schon wieder schlecht ist, ficht den Verfasser dieser halblustigen Beobachtungen und Reflexionen aber nicht weiter an. "Passt schon, so kann's bleiben", ruft er sich selber im "Porträt des Schriftstellers als fauler Hund" zu. Genauso liest sich's.

Christian Futscher: Was mir die Erdmännchen erzählen. Texte mit Tieren. Czernin, 144 S., € 19,90


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