Film Neu im Kino

Abwarten und Musik hören: "Song One"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Die einzelgängerische Anthropologin Franny Ellis forscht in Marokko, als sie erfährt, dass ihr Bruder Henry, ein junger Musiker, nach einem Unfall im Koma liegt. Sofort kehrt sie zu ihrer Mutter nach Brooklyn zurück, um ihr beizustehen. Im Notizbuch Henrys findet sie eine Karte für ein Konzert seines Lieblingsmusikers James Forester, dem sie von ihrem Bruder erzählt. Kurz darauf taucht der schüchterne Sänger im Krankenhaus auf. Während der folgenden Tage des Wartens und Hoffens erblüht eine zarte Liebe zwischen Franny und James.

"Song One" ist das Langfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Kate Barker-Froyland. Nach einem hastigen Einstieg hält der Film das erste Mal inne, als James (Musiker Johnny Flynn) die Bühne betritt. Die Musik, geschrieben vom Singer-Songwriter-Duo Jenny Lewis und Johnathan Rice, spielt fortan die dritte Hauptrolle. Um für Henry vertraute Klänge aufzuzeichnen, taucht Franny in seine Welt ein. Mit James zieht sie durch kleine Clubs und stromert durch die Sommernächte. So lernt sie Henrys Traum zu respektieren, den sie abgelehnt hatte. All dies glücklicherweise kitschfrei: Barker-Froyland erliegt nicht der seit "Les Misérables" realistischen Versuchung, Franny, dargestellt von einer seelenvollen Anne Hathaway, urplötzlich ihr Gesangstalent entdecken zu lassen.

Auch sonst übt die Filmemacherin sich mit ihrem skizzenhaften Werk in Zurückhaltung -und das fast zu sehr: Vorhandene Anlagen zu einer komplexen Handlung lässt sie ungenutzt, stattdessen konzentriert sie sich auf die orientierungs-und sprachlose Zeit nach dem Schicksalsschlag. In diese hinein fließt die Musik als Ablenkung, Kommunikationsmittel und Trost. Kein ausgefeiltes Familiendrama, aber ein liebenswerter kleiner Indie-Film.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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