Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Kurzer Tumult

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Ah, war das eine herrliche Aufregung. Ein Medienvolksbegehren. Mit dem Taschenmesser gegen den Mediaprint-Riesenkraken! Das Imperium hatte gerade sein hässliches Gesicht gezeigt, Profil-Herausgeber Hubertus Czernin entlassen und den Falter mit der Absicht geklagt, ihn zu vernichten.

Die Gegner des Kraken rotteten sich zusammen. Straßenfest in der Marc-Aurel-Straße, Diskussionen in vollen Hörsälen auf der Uni, erhitzte Gemüter in den Schanigärten. Die Parteien zeigten sich in alter Frische. ÖVP-Mediensprecher Wilhelm Molterer mochte sich kein Sterbenswörtchen zum Thema Mediaprint abringen, sein SPÖ-Pendant Josef Cap setzte auf "Abwarten" und "Anwenden des Kartellrechts". Darauf warten wir noch heute!

Auch die Journalistengewerkschaft reihte sich in den Kampf der zu allem Entschlossenen ein; sie habe die Unterstützung der Gewerkschaft bis nach ganz oben, berichteten Bernhard Odehnal und Martin Staudinger. Leider fasste man die Sache beim ÖGB mehr als Privatspaß auf. Denn offiziell, so der linke Gewerkschafter Hans Sallmutter (GPA), müsse man schon darauf achten, was man seiner Organisation "zumuten" dürfe. Eine offi zielle Unterstützung eines Volksbegehrens scheiterte schon daran, dass Journalisten und Drucker gemeinsam organisiert waren. "Schließlich arbeitet ein Großteil der Mitglieder in den Druckereien des Imperiums"(Falter).

Der Salzburger Publizistik-Professor Peter A. Bruck schätzte den Erfolg des Unternehmens ganz realistisch ein, als er sagte: "Die Mediaprint ist wie die Kirche. Auch dort gab es ein Volksbegehren - und wie viel hat sich bewegt? Entscheidend ist, ob sich die Politiker den Herausforderungen stellen wollen. Dass die Kronen Zeitung einen Politiker machen kann oder auch nicht, ist ja nicht erst seit Erhard Busek bekannt. Das lässt sich auch am Aufstieg Jörg Haiders dokumentieren diese Person wird durch andauernd wiederkehrende Nennung des Namens prominent gemacht, und das hat dann durchaus den Effekt von Propaganda."


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