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Böhmermann, das Comeback des Monats

BETRACHTUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Jan Böhmermann war weg, aber es war viel von ihm zu hören. Nach dem Schmähgedicht über den humorbefreiten türkischen Präsidenten (siehe auch Watchdog rechts) legte der deutsche Kabarettist eine einmonatige Sendepause ein. Es lag neben den diplomatischen Verwerfungen zwischen Deutschland und der Türkei, die sein Gedicht ausgelöst hatte, wohl auch an den Morddrohungen, die Böhmermann erhielt.

In seiner ersten Sendung nach der Pause besann sich Böhmermann auf die alte Stärke seiner ZDF-Satiresendung "Neo Magazin Royale": Medienkritik. Diesmal im Fokus: die RTL-Kuppelserie "Schwiegertochter gesucht", die arme Seelen bloßstellt.

Um aufzuzeigen, wie RTL seine Unterschichten-Hauptdarsteller in der Show niedermacht, engagierte Böhmermann Schauspieler, die sich als Verlierertypen für die RTL-Sendung bewarben und genommen wurden. Mit versteckten Kameras filmte das ZDF-Team mit, um Missstände im Boulevardsender RTL aufzudecken. Davon gab es reichlich.

So inszeniert RTL seine Bewerber bewusst als Trottel. Was sie in die Kamera sagen, gibt die RTL-Redaktion vor. Davor sichert die sich juristisch ab; die Bewerber müssen eidesstattlich erklären, dass sie nicht geistig beeinträchtigt sind. Das vermeintliche Alkoholproblem, das ein ZDF-Schauspieler offen zur Schau trug, war RTL egal.

Und wie viel bekommen die Bewerber dafür, sich von RTL vorführen zu lassen? Für 30 Drehtage 150 Euro Aufwandsentschädigung. Zum Vergleich: RTL kassiert für eine Minute Werbung allein 90.000 Euro, wie Böhmermann vorrechnete.

Das war satirischer Enthüllungsjournalismus vom Feinsten. Böhmermann is back. Und wie!


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