Kritik

Das Glück beim Buchstabenzählen

Lexikon | MD | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Kärntner, bitte weiterlesen. Euer Landsmann, der Künstler Gerald Domenig, macht in der Secession eine Ausstellung mit dem Titel "Awåragaude?" Klingt wie Avantgarde, heißt in der Umgangssprache aber so viel wie: Es hat trotzdem Spaß gemacht. Domenig ist ein Meister des subtilen Humors, ein Liebhaber von Anspielungen und Verrätselungen. Als bei der Hängung der Bilder Klebestreifen an der Wand picken blieben, beschloss der Künstler kurzerhand, sie in seine Installation zu integrieren.

Der Künstler spaziert gern durch Schluchten und Straßen. Im ersten Raum reihen sich Aufnahmen von architektonischen Strukturen und Details wie beispielsweise Hausfassaden und Fenster aneinander. Zwei Serien stehen sich gegenüber: zum einen Bilder, die Domenig bei mehreren Aufenthalten in Antwerpen gemacht hat, zum anderen erst kürzlich in Wien aufgenommene Fotografien von der Fassade eines Abrisshauses nicht weit von der Secession.

Er fotografiert Alltagsgegenstände, als wären sie Skulpturen. Die Abzüge der Schwarzweißfotos wiederum behandelt er wie Objekte, pinnt die Bilder wie ein Poster an die Wand, oder er kaschiert sie auf Tafeln. In einer sich über eine ganze Wand erstreckenden Installation hängen Zeitungsseiten neben Werbeplakaten und Zeitungsausschnitten. Aufnahmen von Buchstaben reihen sich an Porträts und Landschaftsfotos, einer wilden Logik folgend, die Domenig auch in einem Katalogtext demonstriert. Da springt er von Frank Zappa zu Wolf Haas, notiert den Kauf von Zeitungen und seinen Tick, Buchstaben zu zählen.

In den "Stillleben" paart Domenig dadaistischen Humor mit neusachlicher Strenge: Eine kaputte Salatschüssel trifft auf einen rostigen Emailbottich, sie fusionieren zu einem anmutigen Schüsselbottich. Eine Schau, die ein beglücktes Schmunzeln auslöst.

Secession, bis 19.6.


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