Die große Kränkung

Die politische Welt gehe noch nicht unter, weil 35 Prozent die FPÖ wählten, sagen meine Wiener Freunde. Warum mich der Erfolg der Rechtspopulisten in meiner Heimat dennoch nervös macht

ESSAY: KATHRIN RÖGGLA / BERLIN | Feuilleton | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016


Wer nicht alles gekränkt ist, muss man erst einmal aufzählen. In Wien wurde ein FPÖ-Funktionär nach den Wahlen zum Bundespräsidenten gekränkt. Er ging an einem Lokal vorbei, vor dem ein Schild mit der Aufschrift stand: „Wenn du bei diesen 35 Prozent dabei bist (die den FPÖ-Kandidaten gewählt haben, die Red.), geh doch bitte einfach weiter. Danke.“ Der Politiker empörte sich über die „faschistoiden Methoden gegen politisch Andersdenkende“ und erstattete Anzeige wegen Verletzung der Menschenwürde.

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ist mit an Kolportage grenzender Sicherheit gekränkt, weil er sich wegen einer drohenden medialen Schlammschlacht nicht als Kandidat aufstellen lassen konnte und deswegen nicht wollte, dass ein Besserer als Andreas Khol Bundespräsident werden könnte.

Die rechtsradikalen Identitären sehen sich angefeindet, zu Unrecht aus ihrer Sicht, wo sie doch eine rein ästhetische Aktion machten, als sie im Wiener Audimax auf die Bühne stürmten, um eine Aufführung von Elfriede Jelineks Flüchtlingsdrama „Die Schutzbefohlenen“ zu stören.

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