Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Von Asyl, Islam und Integration und einem "Kuscheltürken"


NINA BRNADA
Politik | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Es hat etwas von einer Kuriositätenschau. Jene, die im Hörsaal Platz genommen haben, sind gekommen, um den "rechten Grünen" zu sehen. Jenen türkischstämmigen Politiker, der beispielsweise Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Erdoğan am liebsten per One-Way-Ticket in die Türkei schicken würde.

Der Ring Freiheitlicher Studenten hat den streitbaren ehemaligen Bundesrat Efgani Dönmez zu einem Vortrag an der Universität Wien eingeladen, damit er zu "Asyl, Islam und Integration" referieren möge.

So beliebig der Titel, so passend der Vortrag. Dönmez redet sich zwei Stunden um Kopf und Kragen und hüpft in seinem zweistündigen Vortrag zwischen Allgemeinplätzen wie "unsere Werte","Kopftuchverbot" oder "Fehler der Vergangenheit" hin und her. Wo solle eine Frau mit Kopftuch auch arbeiten?, fragt Dönmez, um gleich die Antwort selbst zu geben: "beim Palmers?" Schallendes Gelächter.

Richtig unangenehm wird es, als die einzige Frau mit Kopftuch im Publikum zu einem Zwischenreferat über den Koran ausholt. Als die Organisatoren vom RFS sie fast des Raumes verweisen, steht Dönmez, der zuvor eine faire Diskussion eingefordert hat, nur daneben und lacht über die ihrerseits ziemlich überdrehte Frau. Dönmez wurde im Jahr 1976 in der Zentraltürkei geboren, mit drei Monaten kam er mit seinen Eltern nach Oberösterreich, im Salzkammergut ist er aufgewachsen.

In seinen Ausführungen verwendet er dauernd das Wort "wir", doch so recht wollen manche derjenigen, die hier sitzen, ihn nicht als ihresgleichen sehen. Für sie scheint er tatsächlich ein Kuriosum zu sein. Zum Beispiel für den älteren Mann in der hintersten Reihe. So jemanden wie Efgani Dönmez würde sich jeder Österreicher wünschen, sagt er. Er sei nicht nur "gebildet" und "integriert", mit seinem oberösterreichischen Dialekt würde er auch in einer Sprache sprechen, "die man zu Hause verwendet". Er sei eben ein richtiger "Kuscheltürke".


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