Nüchtern betrachtet

An den Tischsitten 2.0 wird noch gearbeitet

Feuilleton | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Ich bin kein digitaler Eingeborener, und muss gestehen, dass ich den Anblick von Bahnsteigen, auf denen von zwei Dutzend Menschen 21 auf die Displays ihrer Smartphones glotzen, noch immer leicht gespenstisch finde. Als ich unlängst ein kleines Unmutsschnaufen ausstieß, weil meine Frau mit dem Tablet zu Bett ging, meinte sie trocken, dass ich gegen Bücher ja auch nichts einzuwenden hätte und mich langsam an den jüngeren Stand des Informationszeitalters anpassen könne. Das Tablet hat die Funktion des Buches übernommen, also darf es auch ins Bett. Ich verstehe das Argument, und es mag uns beim infotechnologischen Upgrading unserer Tischsitten eine Richtlinie sein. Hat das Smartphone oder das Tablet die Funktion der Serviette übernommen? Nein. Also hat es am Esstisch nichts verloren. Schließlich ist man seinerzeit auch nicht ständig aufgesprungen, um schnell mal etwas im Konversationslexikon nachzuschlagen oder einen Brief zu lesen.

Noch nicht so weit verbreitet, aber im Vormarsch


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