"Irgendwer wird ein Steinchen werfen"

Die Philosophin Isolde Charim über den historischen Protest gegen Jörg Haider und warum es derzeit so ruhig ist


INTERVIEW: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 20/16 vom 18.05.2016

Der Aufschrei war groß, als der damalige ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 gemeinsam mit dem Rechtsaußen Jörg Haider (FPÖ) eine Regierung bildete. Derzeit erlebt Österreich wieder einen Rechtsruck, aber die Reaktionen sind verhalten. Warum das so ist, erklärt die Philosophin Isolde Charim, die vor 16 Jahren den Protest gegen Schwarz-Blau mitorganisierte.

Falter: Frau Charim, im Winter 2000 kam die FPÖ in die Regierung, und die Massen gingen auf die Straße. 16 Jahre später könnte ein Rechter Bundespräsident werden, und alles bleibt ruhig. Was ist los?

Isolde Charim: Als ruhig würde ich die Lage nicht bezeichnen, im Gegenteil. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine dermaßen gespaltene Gesellschaft gehabt hätten. Die Stimmung ist so emotionalisiert, dass es keinen Austausch von Argumenten mehr gibt. Man kann mit niemandem mehr reden.

Das passiert aber eher im Internet als auf der Straße.

Charim: Es stimmt, dass es keine Proteste gibt, aber dafür ist es

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