Ohren auf Klassik

Komm und lausch: Drei Frauen im Liebesrausch

MIRIAM DAMEV | Feuilleton | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Im Süßholzraspeln sind die barocken Komponisten ungeschlagen. Vor allem Monteverdi verstand es wie kein anderer, die Liebe zum Klingen zu bringen. Magdalena Kožená hat für "Monteverdi"(Archiv Produktion) Arien, Madrigale und Scherzi musicali des Meisters zusammengetragen. Da wird leidenschaftlich geliebt und gelitten, in Melancholie geschwelgt oder Rache geschworen.

Für die tschechische Mezzosopranistin ist das Programm auch eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, 2000 feierte sie bei den Wiener Festwochen ihren Durchbruch als Nero in Monteverdis Oper "L'incoronazione di Poppea". Nun gibt sie das Duett von Nero und Poppea als krönenden Abschluss gemeinsam mit Anna Prohaska; auch Countertenor David Feldman steht Kožená als Duettpartner in Sachen Liebe zur Seite.

Mit Claudio Monteverdi beginnt auch Simone Kermes' musikalisches Liebesgeflüster, das sie schlicht "Love" (Sony) genannt hat. In Arien von Purcell bis Cesti, von Merula und Barbara Strozzi über Dowland und John Eccles bis hin zu weniger bekannten Kostbarkeiten von Antoine Boësset oder Luis de Briceño durchmessen Kermes und ihre kongenialen Mitspieler von La Magnifica Comunità die Liebe in all ihren Höhen und Tiefen. Ein wunderbar durchdachtes Album von vollendeter Schönheit und eine Interpretin, die mit ihrer innigen Ausdruckskraft mitten ins Herz trifft.

Die französische Sopranistin Sabine Devieilhe begibt sich mit "Mozart -The Weber Sisters" (Erato) auf die amourösen Spuren Mozarts und seiner Beziehungen zu den Schwestern Aloysia, Josepha und Constanze Weber. Allen drei Frauen widmete der Komponist bedeutende Sopranpartien, darunter das "Et incarnatus est" aus der c-Moll-Messe oder die berühmte Rachearie aus der "Königin der Nacht". Devieilhe wechselt virtuos die Rollen und beeindruckt sowohl mit funkelnden Koloraturen als auch mit empfindsamer Schlichtheit.


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