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Win-Win: Der Hofnarr und der Hofer

Medien | EINSCHÄTZUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Marco Wagner ist ein Kasperl, auf Facebook folgen seiner Klamaukseite mehr als 80.000 Menschen. Er postet etwa ein Foto, wie er zwischen Bäumen Playstation spielt - dazu der Spruch: "Heute mal die Natur genießen". In einem Video Ende April mäht er in kurzer Hose den Rasen, während es schneit. Zu Muttertag fordert er dazu auf, an einem kommerziellen "super Gewinnspiel" teilzunehmen. Daneben betreibt er einen Webshop.

Wagner redet im oststeirischen Dialekt, ist in der Rechtschreibung nicht immer firm, beides macht ihn authentisch und sympathisch. Kraft seiner Popularität schritt er jüngst zur Selbstermächtigung und bat -wie Österreichs große Medien - beide Präsidentschaftskandidaten zum TV-Duell im Netz. Alexander Van der Bellen sagte ab, Norbert Hofer zu. Wagner befragte also Hofer alleine.

Das Ergebnis war erwartbar und erinnerte an das heftig kritisierte affirmative Interview, das der Promi-Youtuber LeFloid mit der deutschen Kanzlerin geführt hatte. Hofer, ein freiheitlicher Rhetorikprofi, kochte den jungen Steirer nach allen Regeln der Kunst ein. Er brauchte keine sieben Minuten, bis der Interviewer ihm zujubelte: "Sie erzählen das jetzt so offen heraus, ich find das ja sympathisch, weil das zeigt, dass sie ein ganz normaler Mensch sind."

Auf kritisches Nachfragen verzichtete Wagner.

Das Video verbreitete sich drei Tage vor der Wahl viral. Am Wahltag zählte es laut Facebook rund 1,1 Millionen Aufrufe. Wagner bescherte das Klickzahlen, Hofer Wahlhilfe. Zu den 16.500 Menschen, die das Video auf Facebook teilten, zählte auch FPÖ-Boss Heinz-Christian Strache. Er kündigte es schlicht mit einem Smiley an.


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