Health's Bells

Ein neues Lokal bietet Essen, das mehr oder weniger gesund sein will


LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER
Stadtleben | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016


Foto: Kurt Wiener

Foto: Kurt Wiener

So dicht die Zollergasse zwischen Lindengasse und Mariahilfer Straße mit Lokalen bestückt sein mag, zwischen Lindengasse und Siebensterngasse gibt’s nur eines, auf Nummer 14.

Das ist eines der ältesten Beisln im ganzen Grätzel, war lange Zeit ein bisschen verrucht, seit den späten 80er-Jahren als „Küche und Keller“ dann ein Ort zeitgeistiger Cuisine, seit sechs Jahren als „Zoller“ allerdings mehr geschlossen als offen.

Christopher Wiener, der zuvor erfolgreicher Manager und viel in der Welt unterwegs war, übernahm es vor ein paar Wochen, um eine eigentlich erfolgversprechende Idee zu verwirklichen, nämlich in seinem hübsch gestylten Health Kitchen gesundes Essen anzubieten.

Gut, nur was genau ist „gesundes Essen“? Christopher Wiener legt sein Gesundheitskonzept mehrgleisig an, er setzt auf Naheliegendes wie Frische, Bio-Ware und Verzicht auf Geschmacksverstärker, dann auf Konzepte wie „Low Carb“, über deren gesundheitliche Wirkung man zumindest diskutieren kann, bis hin zu zeitgeistigen Marketing-Wirrnissen wie Paleo-Diät. So weit so gut, allerdings trifft das Mischkonzept halt auf jede der angebotenen Speisen in unterschiedlicher Ausprägung zu, außerdem ist auch noch die Verabreichung ein bisschen ungewöhnlich, weil man am Pult bestellt, bezahlt und sich das Essen dann mit Bon in den Tiefen des Lokals holen muss.

Die Gerichte, die da entweder in einer Vitrine liegen oder auf Bildern über der Budel dargestellt werden, schauen jedenfalls großartig aus. Die hübschen Enten-Röllchen in Reispapier zum Beispiel, ein absoluter Hingreifer, oder die überaus appetitlich wirkenden „Paleo-Wraps“.

Leider waren die Enten-Rollen ein bisschen trocken, Sprossen und Kräuter fehlten, und wie sich der viele Reisteig mit Low Carb vertragen soll, bleibt fraglich (€ 5,60); anders der Paleo-Wrap, da war die Hülle aus Omelette, saftig gefüllt war er ebenfalls, mit Lachs, Rucola und Topfen, der nach Paleo-Dogma natürlich auch nicht sein darf (€ 4,80).

Wirklich schwierig war die „gesunde“ Interpretation der Jambalaya, denn wenn man bei einer Jambalaya auf Reis, Chorizo, Stangensellerie, Cayenne und Knoblauch verzichtet und stattdessen eine rote Gemüsesuppe mit Kichererbsen, Bohnen und Pak Coi macht, dann ist das eh nett, aber halt keine Jambalaya (€ 8,80).

Viel besser gelang die doch etwas scharfe japanische Soba-Nudelsuppe mit Pilzen und sehr viel frischen Austernpilzen, eine wirklich gute Suppe (€ 7,40).

Die Idee ist ja nicht schlecht, viele Menschen würden sicher gerne explizit gesund essen. Und kochen können sie im Health Kitchen ja auch. Aber zu viele vermischte Gesundheitskonzepte verderben vielleicht ein bisschen den Brei, beziehungsweise machen die Sache konfus. Wäre nicht notwendig, gut und gesund allein würde ja reichen.

Resümee:

Ein neues Konzept, das etwas viel auf einmal will – gesundes Essen nach unterschiedlichsten Definitionen. Etwas konfus, aber wird schon noch.

Health Kitchen
7., Zollerg. 14
Tel. 0664/178 55 02
Mo–Fr 8–21, Sa 9–22, So 9–18 Uhr


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