Menschen

Und er steht doch!

LUKAS MATZINGER BARBARA TÓTH | Kolumnen/Zoo | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Natürlich kann man AC/DC kunstlos finden und karrieristisch oder als kleinsten gemeinsamen Nenner der Ö3-und der Heavybranche. Manche werden sie ganz einfach für laute Primitivlinge halten. Man kann sie aber auch als die Band sehen, die so viele Menschen in irgendeiner Form berührt haben muss, dass 2009 50.000 von ihnen ins Happel-Stadion kamen, im Jahr darauf 80.000 auf den Flugplatz von Wels, 2015 100.000 Menschen an die Rennstrecke in Zeltweg und am vergangenen Donnerstag schon wieder 50.000 Menschen in den Prater -nur um AC/DC ihren ewigen Viervierteltakt spielen zu sehen. Da ist etwas da, etwas, das nicht so schnell weggeht. Auch nicht, wenn sie zum dritten Mal in der Bandgeschichte ihren Sänger wechseln. Der Neue ist der verschriene und auch, oder schon gar nicht bei AC/DC-Fans, wirklich beliebte Guns-N'-Roses-Sänger Axl Rose. Er musste ran, nachdem sich Brian Johnson beim Rennautofahren sein Gehör ruiniert hat. Und was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Axl Rose tut dieser Band gut. AC/DC spielen mit ihm längere Konzerte, und aufregendere Lieder. Wenn der Gitarrist und Bandchef Angus Young seinen Platz braucht, bekommt er den, und zusätzlich widerfährt der Band mit Rose diese Prise amerikanischen White Trashs, die ihr geil tut. Der Typ ist einfach für die große Bühne gemacht und Proll genug, um auch in den Fußballstadien zu bestehen. Apropos stehen: Axl tat es. Sein gebrochenes Bein heilt gut, weshalb er während des Wien-Konzerts nur noch selten im dafür angefertigten Sessel saß. Es ist schön, Axl Rose in so guter Form zu sehen. Doch letzten Endes, und das ist der Punkt, ist Rose ganz einfach der bessere Sänger, als es der kumpelhafte Fanliebling Brian Johnson war. An guten Tagen kann er noch immer die wahrscheinlich ergreifendste all dieser großen Sodbrennen-Stimmen der Rock-Geschichte singen. Und die Wien-Show war ein guter Tag. Alles andere ist Konfessionssache.

Und jetzt noch so ein bisschen die Antithese zu AC/DC im Bierdunst des Praterstadions. Nämlich zu einem - zwar sicher auch hedonistischen, aber schon mit einem komplett anderen Feeling als das der Trommelfell wegfotzenden E-Gitarre von Angus Young - Event, das sich einen Tag zuvor zugetragen hat. In der Weinhandlung Unger und Klein in der Göldorfgasse im ersten Bezirk, wenn wir uns ehrlich sind, gleich ums Eck vom Falter-Büro, fand sich am vergangenen Mittwoch eine eher illustre Runde zum gemeinsam Gutmenschensein ein. Dort nämlich wurden zugunsten der Tralalobe-Häuser des Diakonie Flüchtlingsdienstes edle Weine versteigert. Und das konnte sich die quasi ganze Foodie-Prominenz der Stadt natürlich nicht entgehen lassen. Bei Zigaretten und feinen Fläschchen saßen unter anderen Falter-Lokalkritiker Florian Holzer, der Radatz-Chef Franz, die lovekitchen-Köchin Eschi Fiege, Christian Pöhl vom Naschmarkt und die Food-Bloggerin Alexandra Palla beieinander. Fliege ist die Mutter des Events, das unter dem schönen Namen "Mundersamer Wittmoch" steht. In einer halben Stunde kamen mehr als 3000 Euro zusammen, die jetzt zur Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verwendet werden. Das Beste kommt zum Schluss: Die machen solche Charity-Besäufnisse jetzt einmal im Monat, immer mittwochs. Ka-Ching!


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