Film Neu im Kino

Coup mit zu wenig Charme: "Schrotten!"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Mirko Talhammer wollte es besser machen als sein Urgroßvater, Großvater und Vater, allesamt Schrotthändler. Tatsächlich ist der fein herausgeputzte Versicherungsangestellte aber hoch verschuldet. Als sein Vater stirbt, kommt ihm das Erbe gerade recht. Der mächtige Konkurrent Wolfgang Kercher reibt sich schon die Hände, doch Mirkos jüngerer Bruder und "Vollblut-Schrotti" Letscho weigert sich, den väterlichen Schrottplatz zu verkaufen.

Mit "Schrotten!" nimmt sich Regisseur und Drehbuchautor Max Zähle eines aussterbenden Berufszweigs an. Im ländlichen Milieu Niedersachsens angesiedelt, erzählt er sowohl von einem Bruderzwist als auch eine Davidgegen-Goliath-Geschichte. Unfreiwillig heimgekehrt findet Mirko nämlich heraus, dass Letscho und sein Clan, darunter seine Frau und seine Kinder sowie Mirkos baldiges Love Interest, Luzi, einen kriminellen Coup planen. Der Raub eines Waggons voll Kupfer, ausgerechnet im Besitz von Kercher, soll die Gemeinschaft finanziell herausreißen. Langsam erwachen in Mirko familiäre Gefühle: Eine Schlägerei zwischen den Brüdern später schließt er sich dem Vorhaben an.

Zähle konzentriert sich in der Folge stark auf die Vorbereitung und Durchführung des Coups -und tut seiner Komödie damit keinen Gefallen: So wie der Waggon im Waldboden stecken zu bleiben droht, ergehen es Tempo und Pep der Geschichte. Die Zeichnung der Figuren (gespielt von Lucas Gregorowicz und Frederick Lau), die für ein charmantes Porträt eines solch ungewöhnlichen Grüppchens entscheidend wäre, wird vernachlässigt, das Städtchen und der Schrottplatz bleiben Kulissen. "Was euch ausmacht, das funktioniert überall", wird Mirko gegen Ende zu den Schrottis sagen, als alles verloren scheint. Nur was das ist, haben die Zuschauer leider nicht erfahren.

Ab Fr in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige