Film Neu im Kino

Wenn die Freiheit ruft: "Nur Fliegen ist schöner"

Lexikon | VANESSA SCHARRER | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Bruno Podalydès beweist in seinem Film "Nur Fliegen ist schöner" ein feines Gespür für Situationen, die unfreiwillig komisch werden. Michel (gespielt von Regisseur Podalydès selbst) möchte krampfhaft das große Abenteuer erleben und flüchtet sich gerne in die Fantasie ein großer Postflieger zu sein; für den alltäglichen Nervenkitzel fährt er in Pilotenmontur Motorrad. Der Lebenstraum jedoch ist schnell ausgeträumt, als ihm seine Freunde zum 50. Geburtstag einen Jungfernflug schenken, die Vorstellung vom Fliegen erschien schöner als die Umsetzung.

Michel ist ein Beispiel für den modernen Durchschnittsmenschen, der in einer waschechten Midlife-Crisis steckt. Er fühlt sich nicht ausgefüllt als Grafiker und seine Ehe mit Rachelle (Sandrine Kiberlain) besteht aus öden Fernsehabenden, die sie mehr vor ihren Tablets verbringen als miteinander, sein Leben scheint eingefahren. Es braucht also eine neue Leidenschaft, die ist auch schnell gefunden: das Kajakfahren. Er wälzt Bücher, gibt viel Geld für unnötige Ausrüstung aus und begibt sich dann ohne Erfahrung auf große Fahrt. Noch nicht lange auf dem Fluss kehrt er bei einer romantischen Gastwirtschaft mit der verführerischen Wirtin Laetitia (Agnès Jaoui), der hübschen Kellnerin Mila (Vimala Pons) und zwei schrulligen Gehilfen ein.

Der Ort am Fluss wirkt wie das Gelobte Land der einsamen Herzen mit gutem Essen, Romantik und viel Absinth. Michel scheint hier das lockere Leben gefunden zu haben und für eine kurze Zeit darf er ein sorgloser Junge sein. Michel und seine neuen Bekannschaften stürzen sich in Verschwendung, Ehebruch und Völlerei, doch Podalydès und sein Film setzen vor allem auf das komische Potenzial der Geschichte, auf intelligenten Humor und tollpatschige Situationen.

Bereits im Kino (OmU im Votiv)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige