Zeit am Schirm

TV-Kolumne


MATTHIAS DUSINI
Medien | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Als TV-Konsument konnte man mit der Bundespräsidentenwahl zufrieden sein. Zwar war das Internet jenes Medium, das die Spaltung der moralischen Gefühle in Gut und Böse am besten zum Ausdruck brachte. Auf Facebook spielten sich jene Exzesse sadistischer Erniedrigung und messianischer Idealisierung ab, die für den grünen und blauen Populismus so typisch sind. Die sozialen Hetzwerke waren das ideale Forum für jenes Beißen, Kratzen und Schreien, das Sigmund Freud in der Entwicklung des Kindes der sogenannten analen Phase zuordnet.

Auch das Fernsehen gehört zu den Wahlgewinnern, denn es bot dem Aufeinanderprallen der Gegensätze ein theatralisches Forum. Das ATV-Duell ohne Moderator wurde dem Ruf nach einer direkten Demokratie gerecht, in dem sich verletzter Stolz und Verachtung ohne mäßigende Repräsentation (Moderation) ventilieren. Unzeitgemäß hingegen wirkte der ORF, als er den Wahrheitsgehalt von Behauptungen hinterfragte. In der Trotzphase reagiert auch ein zukünftiger Präsident auf erwachsene Recherche grantig.


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