Endlich Präsident

Alexander Van der Bellen ist neuer Bundespräsident. Plötzlich scheint vieles in Österreich denkbar. Kommt jetzt eine andere, bessere "Dritte Republik"?

ANALYSE: NINA HORACZEK UND BARBARA TÓTH
Politik, FALTER 21/16 vom 25.05.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es war das Weiße Haus im Minimundusformat. Ein schwarzes Pult mitten im Rasen vor dem Barockpalais Schönburg, ein rot-weiß-rotes Banner auf dem Rednerpult und hinten die Fahnen Österreichs und der Europäischen Union. Die Botschaft an diesem Montag Abend, kurz nach der Verlautbarung des Bundespräsidentschaftswahl-Endergebnisses, war klar: Hier steht kein Grüner, hier steht ein Staatsmann. Wenn auch einer, der manchmal „arschknapp“ sagt. Und das war es auch.

Österreich als Vexierbild. Am Wahlabend befand sich das Land noch auf dem Weg in eine autoritäre Republik in Gesellschaft Polens und Ungarns mit einem deutschnationalen Rechtspopulisten an der Spitze des Staates. Nur einmal schlafen und schon ist alles anders. Statt eines Freiheitlichen mit ebenso sanfter Stimme wie extrem rechten Tendenzen zieht ein nachdenklicher Professor mit grüner Vergangenheit als „Öbama“ in die Hofburg ein. Zudem ein Flüchtlingskind, mit einem nicht gerade klassisch-österreichischen Nachnamen.

Gemeinsam mit dem neuen Bundeskanzler Christian Kern sieht Österreichs Staatsspitze plötzlich so aus, als hätte man sie aus einem europäischen Musterknabenkatalog bestellt. Kern und Van der Bellen, das steht für weltoffen und proeuropäisch, für ein Selbstverständnis jenseits altmodischen Österreichertums, für ökosoziale Marktwirtschaft und Start-up-Mentalität, am Ende vielleicht auch für eine bessere Dritte Republik jenseits der Blockade innerhalb der Großen Koalition. Vieles scheint über Nacht möglich geworden in Österreich.

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