AUS DEM MASCHINENRAUM INS RAMPENLICHT

Der Sozialdemokrat Thomas Drozda machte Karriere als Chef der Vereinigten Bühnen Wien. Nun wird er Kulturminister. Warum geht ein erfolgreicher Manager in die Politik?

PORTRÄT: MATTHIAS DUSINI UND STEFANIE PANZENBÖCK | Feuilleton | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016


Der neue Kanzleramts- und Kulturminister heißt Thomas Drozda. Er folgt Josef Ostermayer nach, der als engster Vertrauter des zurückgetretenen Bundeskanzlers Werner Faymann die Regierungsbank räumen musste. Drozda kehrt damit in eine vertraute Umgebung zurück, denn der Ballhausplatz war bereits am Anfang seiner Karriere sein Arbeitsplatz. Von 1993 bis 1998 war er wirtschafts- und dann kulturpolitischer Berater sozialdemokratischer Bundeskanzler.

Drozda ist ein Profi, der politische und administrative Abläufe beherrscht, ohne auf der Bühne gestanden zu sein. Der den Maschinenraum der Macht kennt und nun erstmals ins Rampenlicht tritt. In einem Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten bekannte er noch kürzlich, mit der Politik abgeschlossen zu haben: „Höchste Exponiertheit bei einem Sozialprestige gegen null, das würde ich weder wollen noch aushalten.“ Der Minister ist mit der Kunstvermittlerin Isabella Drozda verheiratet, die in der Kunsthalle Wien arbeitet. Ein Interview wollte er nicht geben.

Thomas Drozda, Jahrgang 1965, verbrachte die Jugendjahre im oberösterreichischen Städtchen Traun. Sein Vater war Manager, die Mutter Hausfrau. Der fleißige Schüler gehörte zu jenen, die eine fixe Freundin hatten und bei Partys eher früh nach Hause gingen. Die Loslösung vom konservativen Haus-mit-Pool-Umfeld und die Annäherung an die Sozialdemokratie geschah beim Wirtschaftsstudium in Linz, wo Drozda Mitglied der Sozialistischen Jugend (SJ) wurde. Die SJ versuchte unter dem Vorsitz des späteren Unternehmensberaters Martin Winkler eine Modernisierung, weg vom Marxismus und hin zur Jugendkultur. Drozda jobbte im Stahlwerk Voest und besuchte das Kulturzentrum Kapu, das früh Punk und Hip-Hop nach Österreich brachte.

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