Stadtrand Urbanismus

Wider die Adrianasierung

Stadtleben | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Ich habe eine Stalkerin. Sie heißt Adriana. Sie verfolgt mich überallhin. Wenn ich in der Früh aus dem Haus gehe, wartet sie schon auf mich, sie schaut mir zu, wie ich in der Straßenbahn sitze, und wenn ich einkaufen gehe, wird sie auch da sein. Wenn alles zugrunde geht, ihrer kann ich mir sicher sein.

Adriana Lima ist das Model, das derzeit für den Unterhoserl-Tycoon Calzedonia von quasi allen Plakatständern, Litfaßsäulen, Schaukästen und Leinwänden im ganzen Stadtgebiet herunterschaut. Ich glaube, man ist zurzeit nie weiter als 100 Meter von einem ihrer Gesichter entfernt. Lima reicht jetzt bis nach Atzgersdorf. Darunter leide ich.

Globalisierung ist eh super. Gute Bananen, billige Schuhe und alles. Aber dass ich zurzeit ein brasilianisches Model in einem italienischen Bikini häufiger sehe als die Menschen, die ich wirklich gern habe, darf mir schon auf den Wecker gehen. Ich kenn die ja nicht einmal.

Ich komme nach Hause. Fernsehwerbung. Marc Jacobs hat ein neues Parfum. Sie dürfen jetzt dreimal raten, wer sich wie besessen mit dem Flakon am Boden rekelt. Adriana, was hab' ich dir getan?


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