"Bei uns macht keiner einen Mucks"

Der ungarische Theaterregisseur Árpád Schilling inszeniert an der Burg und spricht über das Leben in einem von Rechtspopulisten regierten Land


INTERVIEW: MARTIN PESL
Feuilleton | aus FALTER 21/16 vom 25.05.2016

Vor über zehn Jahren zeigten die Wiener Festwochen im Vestibül des Burgtheaters Árpád Schillings minimalistische Version von Anton Tschechows "Möwe". Dessen Budapester Ensemble Krétakör (deutsch: Kreidekreis, nach Brechts "kaukasischem Kreidekreis") entwickelte sich rasch zum internationalen Geheimtipp in der Theaterszene. Schilling inszenierte an der Burg einen ähnlich pur gehaltenen "Hamlet" mit nur drei Schauspielern in einem Boxring.

Seitdem Viktor Orbán 2010 mit seiner rechtskonservativen Fidesz-Partei eine Zweidrittelmehrheit in Ungarn erlangte und die Gesellschaft zur von ihm so genannten "illiberalen Demokratie" umzubauen begann, engagieren sich Schilling und seine Kollegen politisch: mit Theaterproduktionen und auch im Bildungsbereich.

Während Schilling nicht müde wurde, die Regierung zu kritisieren, und dafür immer weniger Förderung und immer mehr Ärger bekam -so stand Krétakör eine Zeitlang auf einer ominösen "schwarzen Liste" der Regierung -, folgten Aufträge

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