Kommentar Fußball

Ein langer Weg geht in allem Glück und Segen zu Ende


JOHANN SKOCEK

Falter & Meinung, FALTER 22/16 vom 01.06.2016

In allen österreichischen Zeitungen ist derzeit David Alaba zu sehen, er lächelt, spricht und strahlt Zuversicht aus.

Das schaut so leicht aus bei ihm, dem begnadeten Fußballer. Aber das täuscht, das Spielerische ist das Ergebnis harter Arbeit. Hinter jedem Erfolgreichen stecken wir, eine Gruppe Journalisten, die in mühevoller, selbstloser Arbeit die Bausteine des Triumphes zusammensetzen. Das sauanstrengende Trainingslager in Laax, wo sich normalerweise nur Skifahrer in Luxushotelbars Gute Nacht sagen, ist überstanden.

Die Mannschaft, also Kicker, Betreuer, Journalisten, Sponsoren, ist jetzt eine zusammengeschweißte Einheit. Keine Kolumne, keine Analyse kommt uns mehr zwischen die interessierte, euphorisierte, solidarische, fachkundige Öffentlichkeit und die beste Mannschaft von Europa.

Wir bereiten sie noch auf zwei Testspiele gegen die armen Malteser und die armen Niederländer (4.6., Happel-Stadion) vor. Danach sollte auch der letzte Zweifler an der Favoritenrolle von Marcel Kollers Elitetruppe bei der Europameisterschaft 2016 (10.6.-10.7.) von seiner neuen Heimat Südamerika überzeugt sein.

In allen Medien ist Ruh, auf allen Seiten spürest du kaum einen Hauch. Die Zweifler in den Blättern schweigen. Warte nur, bald freust du dich auch.

Der ÖFB gibt seit vielen Jahren sein Bestes, um den Journalisten den Aufenthalt beim Team zu verkürzen. VIP-Karten für Altgediente, Buffets, Reisemanagement. Flüstern mit David Alaba, um die Breaking News ("Ich traue uns sehr viel zu!") zu schützen.

Einladungen sind selten geworden, aber der ÖFB ist ein kleiner Verband, das letzte Geld ist für Kollers Green Fee in Laax draufgegangen.

Jetzt Ebbe bis zur EM-Titelprämie. Die Sponsoren lassen sich unser Wohlwollen manchmal was kosten. Alles mit rechten Dingen, klaro. Aber sie brauchen die Zeitungs-und TV-Bilder.

Bespaßungsmarathons wie bei den Deutschen gibt es beim ÖFB-Team nicht. Österreich ist kein Markt, bei dem sich mehr als ein Bergkas-Buffet auszahlt. Das ÖFB-Team, also wir alle, wir sind seit Jahrzehnten wie die Wallfahrer auf dem Jakobsweg. Man ist Auserwählter.

Abklatschen mit Christian Fuchs! "Serwas!" mit Marko Arnautovic. Eine Wuchtel mit Prohaska.

Wer hat das schon? Der Weg zum Europameistertitel war steinig, aber nun ist Licht am Ende der Hösche. Und was haben die Deutschen, was wir nicht haben außer Mercedes und ein Buffet wie ein Strafraum?

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FALTER 26/19
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