Wiener Festwochen Tipps

Alltag und Gewalt, Ehrgeiz und Gebärde

Lexikon | MARTIN PESL | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Nach personalstarken Produktionen im Mai wird die nächste Wiener Festwoche kleiner und konzentrierter. Selbst Simon McBurneys "The Encounter" ist zwar technisch spektakulär, aber ein Solo (Museumsquartier, Halle E, Fr, Sa 19.30, So 15.00). Auch Silvia Calderoni steht alleine auf der Bühne. Die Künstlerin aus Rimini präsentiert in "MDLSX" durch Musik, Licht, Video und Texte feministischer Philosophinnen gestützt das Coming-out eines Hermaphroditen (Schauspielhaus, Fr-Mo 20.00).

In die nächste Premiere kann man sogar seinen Nachwuchs (ab sieben Jahren) mitnehmen, sofern dieser - und man selbst -schwarzen Humor verträgt: Die Objekttheaterproduktion "Dark Circus" handelt von einem Zirkus, in dem alles Erdenkliche schiefgeht. Was hoffentlich nicht schiefgeht, sondern besonders faszinierend zu beobachten ist: wie die beiden Künstler der Gruppe Stereoptik den ganzen Zirkus aus Kartonstücken und deren Schatten zum Leben erwecken (Brut, Sa-Mo 17.00,20.00).

Das Werk, mit dem die kapverdische Choreografin Marlene Monteiro Freitas nach "Guintche" zum zweiten Mal in Wien zu Gast ist, heißt "de marfim e carne -as estátuas também sofrem /aus Elfenbein und Fleisch -auch Statuen leiden". Grundlage ist die Sage vom Bildhauer Pygmalion, der eine Statue schafft, die so schön ist, dass er sich in sie verliebt und sie zum Leben erweckt. Körper zwischen Starre und Lebendigkeit: der perfekte Stoff für ein Tanzstück (Museumsquartier, Halle G, Di-Do 20.30).

Buchstäblich einsamer Star von "Koncert życzeń/Wunschkonzert" ist schließlich die polnische Schauspielerin Danuta Stenka. Sie spielt das legendär wortlose Stück von Franz Xaver Kroetz (1973) über die letzte Stunde einer traurigen Frau mit nie dagewesener Intensität ganz dicht am Publikum (Schauspielhaus, Do 20.00, bis 12.6.).

Information: www.festwochen.at


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