TV-Kolumne

Zeit am Schirm

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst, heißt es im Untertitel der Dokumentarfilmreihe "Lebenslinien" (BR, montags um 21 Uhr), die das Bayrische Fernsehen seit 1990 produziert. Julia etwa war jahrelang Opfer ihres gewalttätigen Stiefvaters, bis sie sich im Kampfsport aus der Opferrolle befreite. Die Regisseurin Beatrice Möller begleitete sie beim Kickboxen und vermittelt die Energie dieser Frau, die drei Mal den Weltmeistertitel gewann.

Julia besucht ihre ehemalige Schule und trifft jene Lehrerin, die als Erste erkannte, was in dieser von allen Kollegen gefürchteten Schülerin steckt. Man spürt, wie der Geruch des Klassenzimmers die alte Zeit lebendig macht und wie schwer es ihr fällt, die schlimmen Geschichten von früher zu hören. Das Problemkind von einst arbeitet inzwischen beim deutschen Bundesgrenzschutz, einer Spezialeinheit der deutschen Polizei. Sie erzählt von der Adoption ihres Kindes und davon, dass Respekt wichtiger ist als Blutsbande. Der konzentrierte Blick, die bestimmten Sätze, selten ist in Geschichten so viel Leben.


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