IT-Kolumne

Digitalia

Medien | ANNA GOLDENBERG | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Ich war Social-Media-Aktivismus gegenüber immer recht hämisch. "Je suis Charlie", regenbogenfarbengetunkte Profilbilder, Videos von Eiswasser, das man sich über den Kopf schüttet. Ist lustig, okay, und mag vielleicht einigen Betroffenen zeigen, dass sich viele Menschen über Homoehe in den USA freuen oder gerne etwas gegen die Krankheit ALS unternehmen möchten. Aber letztlich, so mutmaßte ich, tun es jene Menschen, die es posten, für die Likes.

Bis letzte Woche, als sich die fremdenfeindliche deutsche Organisation Pegida über Kinderschokolade-Verpackungen beschwerte, auf denen Kinderfotos von türkisch-und afrikanischstämmigen Fußballern des deutschen Nationalteams zu sehen waren, und der ZEITmagazin-Reporter Mohamed Amjahid mit einem Kinderfoto von sich und dem Hashtag #cutesolidarity reagierte. Süße Babys gegen Rassismus? Klar, fast so logisch wie Selfies ohne Make-up für die Krebsforschung. Hach, und wie herzig wir alle mal waren. So viele Favorite-Herzchen habe ich schon lange nicht mehr auf Twitter verteilt. Solide Antirassismus-Arbeit eben.


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