"Man muss die Hofer-Wähler in den Arm nehmen"

Die Wiener Band 5/8erl in Ehr'n feiert mit zwei Konzerten ihr zehnjähriges Bestehen. Ein Gespräch über grüne Präsidenten, blaue Ängste, türkische Nachbarn und den neuen Fußball-Europameister

INTERVIEW: GERHARD STÖGER UND STEFANIE PANZENBÖCK | Feuilleton | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Vor zehn Jahren hatte der junge Jazzsänger Max Gaier eine Idee: Er wollte eine Band ohne klare Genrezugehörigkeit haben, mit ihr durch Gastgärten ziehen und wie einst Peter Alexander im "Weißen Rößl" als singender Kellner gute Stimmung verbreiten. Aus dieser Idee wurde die Band 5/8erl in Ehr'n, die mit Bobby Slivovsky noch einen zweiten Sänger hat.

Unkonventionell ist auch die restliche Besetzung des Quintetts, das seine Mischung aus Pop, Jazz und Wienerlied als "Wiener Soul" beschreibt und mit bisher vier Alben längst über die Gastgärten hinaus zu einer der beliebtesten Bands des Landes wurde. Anstatt eines Schlagzeugers gibt es einen Akkordeonisten (Clemens Wenger von der Jazzwerkstatt Wien); die einstige Ostbahn-Kurti-Gitarristin Miki Liebermann und der Sohn des Austropoppers Wilfried, Hanibal Scheutz, am Kontrabass komplettieren die Band. Zuletzt pausierten 5/8erl in Ehr'n für ein halbes Jahr, jetzt feiern sie ihren ersten runden Geburtstag mit zwei Konzerten im Stadtsaal.

Falter: 5/8erl in Ehr'n zählen zu den erfolgreichsten Popbands Wiens. Wie oft verkauft sich ein neues Album denn im Schnitt, eher drei- oder eher dreißigtausendfach?

Hanibal Scheutz: Bei 30.000 Stück sind wir definitiv noch nicht.

Max Gaier: Irgendwann werden wir das für alle Alben zusammengerechnet schon erreichen, aber noch ist es nicht so weit.

30.000 Alben sind also sehr viel. 31.026 Wählerstimmen sind dagegen ziemlich wenig, oder?

Gaier: Mag sein, aber ich glaube, dass wir als Band bei der Wahl genau diese Stimmen ausgemacht haben. Wir pausieren sechs Monate, und es geht vieles den Bach hinunter. Dann kommen wir zurück, und schon haben die Leute wieder weniger Angst.

Tatsächlich haben Sie vor der Wahl für Alexander Van der Bellen im Konzerthaus gespielt. Was hat Sie dazu bewogen?

Gaier: Wir haben lang überlegt, was es bringt, im Konzerthaus vor einem Publikum zu spielen, das ohnedies einer Meinung ist. Ich bin zum Beispiel ein Konstantin-Wecker-Fan, aber bei Konzerten weißt du ganz genau, das sind lauter Volksschullehrerinnen und grüne Politiker. Im Konzerthaus ging es darum, Van der Bellens Team einen schönen Abend zu bereiten und eine gute Energie hineinzubringen. Wir haben kein politisches Lied gespielt, sondern über Liebe geredet. Es heißt ja immer, dass man die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen muss. Tatsächlich muss man jeden Menschen ernst nehmen, egal ob mit oder ohne Sorgen. Daher haben wir auch keine Pro-Van-der-Bellen-Rede gehalten, sondern eine Pro-Zuhören-Rede.

Was wird der neue Präsident bringen?

Gaier: Ich fand Van der Bellens Rede nach der Wahl sehr gut. Dass es nicht um links oder rechts, sondern um das Zusammenbringen geht. Thomas Glavinic hatte schon recht damit, dass man FPÖ-Wähler nicht einfach verdammen und zu Nazis erklären kann. Gleichzeitig bin ich nicht automatisch ein besserer oder klügerer Mensch, nur weil ich grün wähle. Es geht gerade um die Frage, wie wir es schaffen können, wieder verstärkt aufeinander zuzugehen.

Das klingt jetzt aber ziemlich hippiemäßig.

Gaier: In unserer Gesellschaft hapert es an der Kommunikation. Das fängt schon damit an, dass wir eher allein Yoga machen oder ins Fitnessstudio gehen, als auf der Praterwiese gemeinsam Fußball zu spielen. Dass Unterschiede möglicherweise gar nicht so groß sind, merken wir aber nur, wenn wir etwas gemeinsam machen. Wie kann es sein, dass heute so viele junge Menschen drei Therapien machen und 17 Pillen schlucken, damit sie in dem System leben können? Warum ändern wir stattdessen nicht das System? Nämlich genau in die Richtung, die Van der Bellen in seiner Antrittsrede angesprochen hat: "Ich bin gleich wichtig wie du, und du bist gleich wichtig wie ich." Mich hat das sehr bewegt.

"Das System ändern" klingt schön, den Kapitalismus abzuschaffen wird es in absehbarer Zeit aber kaum spielen.

Gaier: Ja, nur bin ich zum Glück kein Politiker, der Lösungen hat, sondern ein Künstler mit utopischen Vorstellungen. Um Kapitalismuskritik geht es aber tatsächlich. Ganz konkret auch um Entschleunigung, darum, Pausen zu machen. Für uns als Band heißt das, dass wir nicht die ganze Zeit nur leisten, leisten, leisten und möglichst viele Youtube-Klicks und Facebook-Likes einfahren, sondern wir wollen zeigen, wie wir unsere Idee möglichst autonom leben.

Scheutz: Wir kommen uns oft wie in einer großen Blase vor, in der wir unsere Spielwiese erschaffen haben. Von dort aus bringen wir Vorschläge auf die Bühne.

Gaier: Man braucht keine großen Gesten, um Menschen zu bewegen, das funktioniert auch mit leisen Tönen.

Scheutz: Es geht uns um Offenheit und Vertrauen. Wir sind zu einer Gruppe herangewachsen, die sich gegenseitig liebt, und das kann man auch im Größeren denken.

Sollte man sich als Künstler prinzipiell politisch äußern?

Scheutz: Ich finde es schade, wenn sich Bands nicht positionieren, denn wenn die FPÖ an der Macht ist, wird es vieles nicht mehr geben. Uns wird es nicht groß betreffen, weil wir genügend Fans haben, aber viel Neues wird kaum nachkommen. Wir haben am Anfang nicht zuletzt von Förderungen gelebt oder der Möglichkeit, an subventionierten Orten zu spielen.

Sie sind also das, was die FPÖ "Staatskünstler" nennt?

Gaier: Ich bin ein schwuler Mann, der immer noch nicht heiraten darf. Alle in der Band haben eine Sozialversicherung zu bezahlen und ihre finanziellen Sorgen. Ein Staatskünstler ist für mich einer, der wie in der Kaiserzeit einen staatlichen Auftrag bekommt, sein Leben lang gut isst und sich über seine Existenz keine Gedanken machen muss. In unserem Fall ist dieser Begriff ein Blödsinn.

Haben Sie keine Angst, durch klare Positionierungen potenzielle Hörer zu vergraulen?

Scheutz: Darüber machen wir uns keine Gedanken, weil wir es einfach als notwendig erachten. Klare Positionen sind für die Kommunikation zwischen den Menschen wichtig.

Gaier: Wir machen nicht Musik, weil wir irgendwem gefallen wollen...

Scheutz: ...und begeben uns auch in Territorien, wo wir gar nicht hingehören. Festivals oder große Konzerte etwa, wo wir durchaus unmissverständlich mitbekommen, dass wir da nicht hinpassen, wo es gleichzeitig aber wichtig ist, dass wir da sind.

Gaier: Als Vorprogramm für Hubert von Goisern wurden wir vom Publikum einmal als "Schwuchtelband" beschimpft. Letztlich finde ich es aber gut anzuecken. Immer nur vor den Eigenen zu predigen, bringt ja nichts. Wir halten das auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft so: In meinem Haus wählen viele Hofer, aber die kriegen trotzdem einen Kaffee, wir reden trotzdem miteinander, und die mögen trotzdem unsere Musik. Ganz viele Hofer-Wähler sind ja keine Nazis. Die muss man in den Arm nehmen und ihnen was von Liebe erzählen, ihnen eine schönere, utopische Welt zeigen, das ist unser Job.

Trügt der Eindruck, oder ist Ihr Blick in die Zukunft ein positiver?

Gaier: Nein, denn das muss auch so sein: Hoffnung nähren, nicht Sorgen schüren!

Die Hassprediger haben derzeit trotzdem mehr Konjunktur als die Utopisten.

Gaier: Daran ist aber nicht die FPÖ allein schuld, sondern das liegt auch in der Verantwortung der Medien. Wir brauchen einen anderen Diskurs, in dem es nicht nur um Emotionen geht, sondern darum, dass man Parteien wieder wegen ihrer Inhalte, ihrer Ideen und wegen einer Hoffnung wählt, nicht wegen einer Angst.

Neue politische Bewegungen entstehen gerade eher rechts als links. Die Identitären etwa, die neue Kreidefresserversion des alten Rechtsradikalismus. Sie bedienen sich der linken Tradition des Aktivismus und umarmen auch Popbands wie Wanda. Haben Sie keine Angst vor Vereinnahmung?

Gaier: Wir tragen da eine große Verantwortung, wobei ich mich aber auch frage, ob uns das nicht Hoffnung machen kann, wenn eine Band wie Wanda vereinnahmt wird.

Wie bitte?

Gaier: Durch Reibung entstehen Funken und Feuer, und dann kann sich etwas verändern.

Wenn sich die Identitären auf ihrer Website als Fans Ihrer Band zu erkennen gäben, würden Sie also "danke schön" sagen?

Gaier: Wir würden eine Bandbesprechung einberufen, und ich würde mich dafür einsetzen, dass wir uns von ihren Ideen distanzieren, sie aber zu einem Konzert einladen und ihnen 100 Freikarten geben. Sage ich gleich, "Die Identitären sind Volltrottel", werden sie mir nicht zuhören. Es sind auch schon FPÖler zu unseren Konzerten gegangen, wir wurden von Nazis beschimpft, und wir haben auch schon Konzerte abgebrochen. Prinzipiell sollten wir aber auch vor unserer eigenen Tür kehren und uns mit den Bobos und ihrer Oberflächlichkeit beschäftigen. Einen Denkprozess in Gang zu setzen ist eher unser Job, als über die Identitären drüberzufahren.

Wie viel politische Aussage braucht eine Popband?

Gaier: Nachdem ohnedies alles politisch ist, beantwortet sich diese Frage von selbst. Auch das Nichtgesagte ist politisch. Es ist politisch, dass Patti Smith jedes Mal ausspuckt, wenn sie auf die Bühne kommt, und es ist politisch, dass ich es nicht mache.

Scheutz: Ich habe in den letzten Jahren eher darauf geschaut, dass ich mit meinen Mitmenschen auskomme. Aber genau das ist ja wieder politisch: Ich versuche einfach, mein Leben anders zu leben. Fürs Erste möchte ich mit den Leuten in meinem Haus auskommen. Ich wohne ausschließlich mit Türken zusammen, was viel angenehmer ist, als nur mit Österreichern zu leben. Die gehen ganz normal miteinander um, man hat sofort eine Gruppe beinander.

Gaier: Ich lebe nur mit Österreichern, das ist auch ganz angenehm.

Scheutz: Als Kontrabassist, der viel übt, sind mir die Österreicher in anderen Wohnungen durchaus auf die Nerven gegangen. Meine türkischen Mitbewohner interessieren sich eher für meine Musik, als sich darüber zu beschweren. Man kommt leichter miteinander aus, weil da ein größerer Familiengedanke herrscht.

Sie wohnen in Ottakring in der Nähe des Yppenplatzes. Stimmt es, dass sich die Stimmung dort verändert?

Scheutz: Mir fällt auf, dass sich Freundinnen zusehends unwohl fühlen, weil viele Dealer da sind und sie teilweise komisch angemacht werden. Ich persönlich habe keine Angst vor einem Grasdealer. Es stimmt aber, dass in dieser Gegend in letzter Zeit mehr passiert.

Der Mord mit der Eisenstange war zuletzt österreichweit Thema.

Scheutz: Diesen Typen hat bei uns jeder gekannt, eine Zeitlang ist er auch vor meiner Tür gestanden. Ich habe ihn einmal gefragt, ob er irgendwas braucht, aber er konnte nicht antworten. Der war ganz offensichtlich ziemlich weggeschossen und ohne soziales Netz. Früher wurde am Karlsplatz gedealt, im Ersten also, dem Tourismusbezirk. Dann hat man dort die Parks gelichtet, und die Drogenszene ist woanders hingewandert. Weg ist das Problem dadurch nicht, und da kommt mir schon vor, dass man sich zu wenig darum kümmert -das Problem wurde einfach in eine Gegend verlagert, die weiter außerhalb ist.

Norbert Hofer ist zwar knapp nicht Präsident geworden, er hat aber mehr als zwei Millionen Stimmen bekommen. Mit Wolfgang Ambros gefragt: Wie hört des auf, wie wird des weitergehn?

Scheutz: Die europäische Verbrüderung der Rechten macht mir mehr Sorgen als das, was in Österreich passieren wird. Wahrscheinlich muss die FPÖ die Nummer eins werden, weil Österreich nix aus der Geschichte lernt und einfach viel zu wenig aufgearbeitet hat.

Österreich leidet nach wie vor unter dem Opfermythos und der fehlenden Entnazifizierung?

Scheutz: Ja, dieses Gefühl habe ich.

Auf Ihrer Visitenkarte steht seit zehn Jahren "Wiener Soul". Was genau heißt das denn?

Scheutz: Es war für uns anfänglich natürlich ein großes Thema: Wer sind wir, was machen wir, wie kann man sich von den anderen abheben? Mit diesem Begriff hat das ganz gut funktioniert.

Gaier: Dazu kommt: Wenn wir die Wiener Seele sind, wäre das eine schöne Welt.

Was ist in Ihrem Fall die Wiener Seele?

Scheutz: Eine Zusammensetzung aus Bundesländerseelen.

Gaier: Wir sind eine sehr heterogene Gruppe, ein schwuler Mann, ein bisexueller Mann, eine Frau, zwei weiße Heteromänner. Wir streiten hinter den Kulissen sehr viel und machen dann aber schöne Musik: Das ist die Wiener Seele.

War das Konzept oder die Musik zuerst da?

Scheutz: Max hatte dezidiert die Idee einer Band, die ohne Verstärkung tingeln kann. Nach zwei, drei Jahren ist uns dieses Konzept aber ziemlich am Oasch gegangen, weil wir lieber mit Anlage spielen wollten. Dass wir zwei Sänger haben, was ja auch ungewöhnlich ist, hat sich einfach so ergeben.

Gaier: So hippiemäßig das jetzt klingen mag, aber die Zusammensetzung der Menschen ist schon auch wichtig. Der Mensch kam sozusagen vor dem Konzept. Würden wir fünf alle Kontrabass spielen, wären wir ein Kontrabassquintett geworden und würden überhaupt nicht in einem Popkontext auftauchen. Zum Glück spielen wir nicht alle fünf Kontrabass.

Hatten Sie Vorbilder?

Scheutz: Als David Müller von den Strottern erstmals "Ja, gefällt mir eh ganz gut" sagte, war das schon ein großer Moment für mich, denn Die Strottern sind Vorbilder, die wir bis heute schätzen. Ihr Album "I gabat ois" haben wir rauf-und runtergehört. Das ist ein Jahrhundertwerk, für mich steht das vom Wahnsinn her auf derselben Ebene wie "Voodoo" von D'Angelo.

Das ist doch einmal ein schöner Vergleich: Hier das neue Wienerlied, dort der futuristische US-Neosoul!

Scheutz: Es hat ähnliche Energien, und beides ist dermaßen auf den Punkt gebracht, dass es einfach nicht besser geht.

Auch Ja, Panik haben 2006 begonnen.

Scheutz: Tatsächlich? Herzlichen Glückwunsch auf diesem Weg!

Ja, Panik spielten damals in kleinem Rahmen, Ernst Molden hatte eine Handvoll Hörer, und Bilderbuch waren eine Schülerband. Heute sind sie alle etablierte Größen, für gewöhnlich ohne Unterstützung von Ö3. Wie haben Sie diese Entwicklung erlebt?

Scheutz: Ich habe immer mit großem Interesse mitverfolgt, was sich tut. Musiker von Garish waren eine Zeitlang Studienkollegen, dadurch hatte ich einen Einblick in die Indie-Szene, während ich selbst mich vom Hardcore-Punk kommend dem Jazz zugewandt hatte. Wenn es laut und rockig war, hat es mich immer interessiert. Ich fand es sehr schön, dass Ja, Panik als Band geschlossen nach Berlin gegangen und dort in eine gemeinsame WG gezogen sind, wie man das aus den 70er-Jahren kennt. Bilderbuch habe ich damals schon cool gefunden, bei denen dachte ich mir immer: Bist du deppert, können die gut spielen!

Gaier: Diese Entwicklung nährt uns im Endeffekt alle.

Scheutz: Ich fand es super, als Ja, Panik Headliner beim Popfest waren, und dachte mir: "Ach, das wäre ich auch gerne einmal!" Es hat dann noch ein paar Jahre gedauert, bis man uns als Popact akzeptiert hat. Wir haben das ja durchaus ein bisschen forciert, um nicht in diesem Wienerlied-Ding hängenzubleiben.

Im Selbstverständnis waren Sie früher Pop als im Verständnis der Hörer?

Gaier: Von Anfang an, ja. Wie bei der Politik ist es auch beim Pop eine Frage der Begriffsdefinition. Die Avantgardemusikerin Maja Osojnik versteht ihr neues Album auch als Pop. "Die eine Nummer ist der totale Hit", sagt sie. Dann hörst du es dir an, und tatsächlich: Es ist ein Hit -nur eben nicht in dieser Welt mit diesem Popverständnis. Ich würde gerne in einer Welt leben, die Maja Osojniks Popbegriff teilt. Mir würde auch eine Welt gefallen, in der die Neos im politischen Spektrum das Rechteste sind.

Die Popstadt Wien war 2015 in aller Munde. Streift diese neue Aufmerksamkeit auch Ihre Band?

Scheutz: Nein, das ist dann doch eine andere Szene. Wir werden vielleicht einmal am Rande eines Artikels zu Wanda, Bilderbuch und Der Nino aus Wien genannt

Gaier: und da heißt es dann, dass unser Name so schlecht sei. Aber gut, wir sagen ja selbst immer, dass er das Schlechteste an uns ist. Das ist mir aber lieber als ein cooler Name und der Rest ist ein Schas.

Sie haben schon über den Trainer Didi Constantini und den Kicker David Alaba gesungen. Warum gibt es nun keinen EM-Song?

Gaier: Wir arbeiten an einem neuen Album, das kommendes Frühjahr erscheinen soll. Darauf wird es voraussichtlich ein Lied namens "Marcel Koller" geben, das aber wahrscheinlich ein Instrumental sein wird.

Scheutz: Im Unterschied zu den beiden Sängern habe ich mit Fußball nichts am Hut, bekomme aber von ihnen den Kompositionsauftrag für "Marcel Koller".

Gaier: Umso mehr kann entstehen! Warum es keinen EM-Song gibt, ist leicht erklärt: Ich bin gerade zu nervös dafür.

Scheutz: Seit Ewigkeiten hat Max jedes Spiel im Kalender stehen, alle Bandproben müssen auf den Spielplan abgestimmt sein.

Wem drücken Sie die Daumen?

Gaier: Österreich und Italien.

Wer wird Europameister?

Gaier: Österreich. Aber das ist keine aktuelle Euphorie, das sage ich schon seit Jahren.

Reisen Sie als Fan auch zu einem Spiel nach Frankreich?

Gaier: Nein, das stelle ich mir zu stressig vor. Ein Fußballspiel unter massiver Bewachung anzusehen und überall Typen mit Maschinengewehren stehen zu haben - wirklich lustig ist das nicht.

Kennt David Alaba Ihren Song "Alaba, How Do You Do"?

Scheutz: Nachdem er uns eine kleine Aufnahme geschickt hat, die am Ende des Videos zu sehen ist, gehen wir davon aus. Der Kontakt ist über unseren damaligen deutschen Booker gelaufen, der wiederum mit dem ehemaligen Bayern-Spieler Mehmet Scholl befreundet ist.

Gaier: Beantwortet hat David Alaba die Frage, wie es ihm geht, allerdings nie.

Kommen wir zu den wirklich wichtigen Fragen: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?

Gaier: Natürlich Messi.

Es gibt die Theorie, dass die Ablehnung von Ronaldo auf Homophobie basiert, er für die durchschnittliche Leberkäs-Hete also einfach zu metrosexuell ist.

Gaier: Prinzipiell muss man sagen, dass auch jeder schwule, behinderte Schwarzafrikaner ein Trottel sein kann. Ronaldo strahlt einfach eine unglaubliche Arroganz aus, die nicht sympathisch ist. Einmal ganz abgesehen davon, dass ich diesem Schönheitsbegriff nichts abgewinnen kann und nicht verstehe, was an Ronaldo sexy sein soll.

Ibrahimović oder Suárez?

Gaier: Suárez ist der Beißer aus Uruguay, oder? Schwierig, das sind beide keine Sympathieträger, aber vielleicht noch eher Ibrahimović.

Warum?

Scheutz: Weil du ihn sexy findest, musst du jetzt sagen!

Ist Ibrahimović nicht ein eitles Egoschwein, während sich Suárez bei Barcelona wunderbar ins Kollektiv fügt und nebenbei auch erfolgreich resozialisiert wurde?

Gaier: Bei dieser Argumentation kann die Antwort natürlich nur "Suárez!" lauten. Schwierig, schwierig.

Vielleicht ist die nächste Entscheidungsfrage wieder einfacher: Hans Krankl oder Herbert Prohaska?

Gaier: Wenn er sich nicht gerade für den ORF verstellen muss, ist Prohaska zwar auch lustig, aber doch eindeutig: Krankl, weil er viel emotionaler ist.

Arnautovic oder Alaba?

Gaier: Phew, das kann ich nicht sagen, denn ich mag beide.

Austria oder Rapid?

Gaier: Rapid, weil ich Blau-Weiß-Linz-Fan bin und Blau Weiß Linz näher bei Rapid als bei der Austria ist.

Österreich oder Italien?

Gaier: Österreich. Und Italien. Nein: Österreich. Wie gemein, dass die schwierigsten Fragen zum Schluss kommen!

Was werden die nächsten zehn Jahre für 5/8erl in Ehr'n bringen?

Gaier: Zuerst einmal ein Wunder pro Konzert.

Welche Wunder denn?

Gaier: Das wissen wir auch noch nicht. Marienerscheinungen womöglich, Leute, die aus dem Rollstuhl aufstehen, oder Blinde, die wieder sehen können. Zumindest sagen wir das jetzt einfach einmal voraus.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige