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Das doppelte Spiel der Kronen Zeitung

Medien | BETRACHTUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

s gibt eine vielsagende Stelle in der Arte-Dokumentation "Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück", in der der -Gründer und Herausgeber Hans Dichand eine offenherzige Definition seiner Auffassung von Journalismus gibt: "Man sagt uns oft nach:'Wir reden den Leuten nach dem Mund'. Das ist aber nicht der Fall. Wir wollen ihnen schon eine Es gibt eine vielsagende Stelle in der Arte-Dokumentation "Kronen Zeitung -Tag für Tag ein Boulevardstück", in der der damalige Krone-Gründer und Herausgeber Hans Dichand eine offenherzige Definition seiner Auffassung von Journalismus gibt: "Man sagt uns oft nach:'Wir reden den Leuten nach dem Mund'. Das ist aber nicht der Fall. Wir wollen ihnen schon eine halbe Nasenlänge voraus sein. Sind wir aber ihnen mehr voraus, kriegen wir sie nicht mehr mit."

Man könnte das so übersetzen: Wir wollen die Menschen steuern. Aber wir müssen auch darauf Rücksicht nehmen, was die Menschen hören wollen.

Die Präsidentschaftswahl ist geschlagen. Aber nicht überall wählten die Österreicher gleich. In Vorarlberg und Tirol gab es etwa ein klares Votum für Alexander Van der Bellen, den ehemaligen Chef der Grünen. Also packte die Krone dort am Tag nach der Wahl ein freundliches Foto von Van der Bellen aufs Cover. Titel: "Der grüne Präsident".

In anderen Bundesländern war die Begeisterung für Van der Bellen geringer. Dort erschien die Krone mit demselben Foto, allerdings war die rechte Seite bedrohlich verdunkelt. Titel: "Der halbe Präsident". Die Krone passt ihre Haltung an - je nachdem, was gerade opportun ist. Verkaufen und Macht ausüben; die Ziele haben sich seit Dichands Tod nicht verändert. Wie er das doppelte Spiel mit Kampagnen ausreizte, zeigte damals die Debatte um den Semmering-Basistunnel. Das Land Steiermark forcierte den Tunnel, das Land Niederösterreich stand dem teuren Bauvorhaben sehr skeptisch gegenüber. Was machte die Krone? Sie kampagnisierte in der Steiermark für den Tunnel und in Niederösterreich dagegen.


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