Den Søren wern de Möhren ned stören

Mit "Verbannt!" hat Ann Cotten ein Versepos geschrieben, in dem's irgendwie um alles geht

Feuilleton | REIMKONTROLLE: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Sich nix zu scheißen ist eine gute Vor aussetzung für die Produktion von Literatur. Jedenfalls dann, wenn Unverfrorenheit und Wagemut ihrerseits durch Formbewusstsein und Selbstreflexion gezügelt werden. Wolf Haas ist jemand, der das hinkriegt und sogar richtig hohe Auflagen damit erzielt. An die reichen die Bücher von Ann Cotten nicht ganz heran, aber "die klügste und schwierigste Dichterin in deutscher Sprache", als welche sie unlängst von der NZZ apostrophiert wurde, ist derzeit wohl des Feuilletons liebste Repräsentantin avancierter Scheiß-mir-nix-Literatur.

1982 in Iowa geboren, wuchs Cotten in Wien auf und hat dort mit einer Arbeit über die Listen der konkreten Poesie auch ihr Germanistikstudium abgeschlossen. Sie ist mit allen Wässerchen experimenteller Poesie und poststrukturalistischer Theoriebildung gewaschen, aber auch mit dem Wienerischen vertraut. Alle ihre Erzählungen, so verriet sie der NZZ im Interview, seien auf gewisse Weise politisch, aber "auf eine sehr bochene


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