Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Verlierer der Welt der Woche

Feuilleton | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Am Samstag um 23.34 Uhr hat der gockelhafte Cristiano Ronaldo einen Elfmeter versenkt, sein Leiberl runtergerissen und die Fußballsaison für beendet erklärt. Real Madrid hat zum elften Mal den wichtigsten Klubbewerb gewonnen, ihre Stadtrivalen Atlético zum nullten Mal. Das heurige Champions-League-Finale war bis zum Anschlag unbefriedigend.

Jeder, der kein Real-Fan ist, wollte an diesem Abend ihre Gegner, die Seeräuberbande von Trainer Diego Simeone, siegen sehen. Der Arbeiterklub Atlético hat im Laufe des Bewerbs die Riesen Barcelona und Bayern mit Kampf, Taktik und Leidenschaft aus dem Weg geräumt und ist am Ende, wie schon 2014, im Bruderkampf mit Real gescheitert.

Dabei haben sie sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie waren lästig, wie sie es immer sind, haben kaum Platz zum Spielen gelassen, waren eine Einheit, wenn sie es sein mussten. Das Tor, das sie bekommen haben, hätte nicht zählen dürfen -und dann verschießt Zauberer Griezmann auch noch einen Elfmeter.

Der pathetische Kriegsherr Simeone, den sie wie Gott verehren, tobte in seinem pechschwarzen Anzug an der Seitenlinie, als wollte er sich selbst einwechseln. Der Mann, der quasi aus Kampfgeist besteht, trieb die Fans und seine Mannschaft einmal noch an ihr gemeinsames Limit. Es hat wieder nicht gereicht.

Am Ende steht der Außendecker Juanfran, der den entscheidenden Elfmeter verschossen hat, weinend vor der Fankurve und bittet sie um Vergebung. Kein Spieler von Atlético würde bei Real in der Startelf stehen, sagte Gareth Bale vor dem Spiel. Er hat damit wahrscheinlich recht. Wäre der spanische Fußball ein Mensch, wäre Barcelona der Fuß, Real das Geldbörserl und Atlético das Herz. Alles, was man letztlich zum Leben braucht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige