Film Neu im Kino

Bauer und Bauer junior: "Holz Erde Fleisch"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Freizeit null", sagt Gemüsebauer Hertl. Warum man es dann machen solle, sei die Preisfrage, stellt sein Sohn lakonisch fest. Ganz sicher ist sich Dominik zwar noch nicht, ob er den Betrieb übernehmen wird, die Körpersprache verrät aber, wie groß die Kluft zwischen Vater und Sohn ist, wenn es um die Leidenschaft für die Landwirtschaft geht. Konzentriert blickt der Bauer zu Boden, distanziert stapft Dominik hinter ihm durch die Kartoffelstauden.

In seinem preisgekrönten Langfilmdebüt "Holz Erde Fleisch" porträtiert Sigmund Steiner drei österreichische Bauernfamilien. Die Fokussierung auf die verschiedenen Generationen kommt dabei nicht von ungefähr - Steiner ist selbst Sohn eines Forstwirts. Im Voice-over-Kommentar wird deutlich, an welchen Konflikten er sich - auch mit seiner Doku -abarbeitet: "Bis heute frage ich mich, warum man Familienbesitz über seine eigene Familie stellt und ob man's auch anders machen kann."

Vielleicht ist es seine Herkunft, die das bemerkenswerte Vertrauensverhältnis bedingt, das Steiner zu seinen Protagonisten aufbaut. In einer Atmosphäre der kraftvollen Ruhe erzählen der Gemüsebauer, der Forstwirt und der Schafzüchter von der Bedeutung jahrhundertelangen Landbesitzes, von der Rolle des Ernährers, Baumpflanzers und -fällers, Tierbesitzers und Schlachters, von den eigenen Vätern, aber auch von den Entbehrungen, die der Beruf den eigenen Kindern auferlegt hat.

Im Wechsel mit Landschaftsaufnahmen, persönlichen Reflexionen und der konzentrierten Beobachtung seiner Protagonisten in Feld, Wald und auf der Alm bildet sich in Steiners interessantem, aufgeräumtem Werk eine große Bandbreite an Emotionen ab. Seinen Vater zeigt er nicht -zu gern wüsste man, was dieser zu "Holz Erde Fleisch" zu sagen hätte.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus


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