Die Partei der überzeugten Überzeugungslosen

Seit der Fußball laufen lernte, wird er vom Nationalismus begleitet. Mittlerweile ist er so weit, dass die beiden miteinander spielen können. Wer schließlich gewinnen wird, ist offen

Fussball-EM | ESSAY: JOHANN SKOCEK | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016


Die Wahl Alexander Van der Bellens zum Bundespräsidenten ist das Beste, was Österreichs Fußballnationalteam vor der Europameisterschaft 2016 passieren konnte. Auf einer symbolischen Ebene hat das Team nun in dem ehemaligen Flüchtlingsbuben den perfekten Non-Playing Captain. Er passt zu einer Mannschaft, die mit der Einschränkung „National“ zu einer scheinbar geschlossenen Gemeinsamkeit aufruft und deren Mitglieder aus verschiedenen Ländern und Ethnien kommen. Die Medienservicestelle Neue Österreicherinnen hat nachgerechnet: „Beim Erfolg gegen Schweden am 8. September 2015 (4:1), mit dem sich Österreich endgültig für die Euro 2016 in Frankreich qualifizierte, standen fünf Migranten in der Startelf.“

Die Zusammensetzung des Nationalteams spiegelt die Verhältnisse der österreichischen Liga wider. Die Bundesliga wiederum teilt diese Eigenschaft mit allen anderen Ligen in Österreich und auf der ganzen Welt: Der Fußball ist eine gemischte, nach allen Seiten hin offene Gesellschaft. Österreicher gehen ins Ausland, Fremde kommen nach Österreich, um hier für ein Jahr oder für immer zu kicken – unter dem Namen eines anderen Landes oder eben für Österreich.


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