Landrand Ruralismus

Der Wiesel und das Plusquamperfekt

Landleben | Florian Klenk | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Du liest all die Schlagzeilen über "Umvolkung" und "Überfremdung" und das angebliche "Überrennen" des eigenen Landes durch "Invasoren", wie es der oberste ÖVP-Justizwachegewerkschafter einmal genannt hat.

Du hörst Leute davon reden, dass sie Angst haben vor den "Erd-und Höhlenmenschen" und "Neandertalern", die da angeblich kommen und uns alle erschlagen.

Und dann sitzt du im ÖBB-Wiesel nach Wien. Der Wiesel ist leer. Fast leer.

Und dann bist du da mit diesem Flüchtling aus Afghanistan, der mit seinem gespendeten Rennfahrrad zum Dorfbahnhof strampelte, um nach Wien zu fahren. Er hat Kopfhörer auf, er hat ein paar Blätter mit Vokabeln in der Hand und in einem Plastiksack Bücher.

Und so sitzt er da. Ganz allein im Waggon, in dieser neuen Welt. Ganz still.

Du kommst mit ihm ins Gespräch. Er sagt, er sei aus Kabul. Er fühle sich wohl hier in dieser kleinen Gemeinde.

Und dann fragt er dich, was denn nun genau der Unterschied sei zwischen Perfekt und Plusquamperfekt.


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