Am Apparat Telefonkolumne

Was wurde aus der Wiener Inseratenreform, Herr Chorherr?

Politik | ANRUF: FLORIAN KLENK | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Der Boulevardkanzler Werner Fay mann ist Geschichte. Aber was ist eigentlich mit dem Versprechen der rot-grünen Stadtregierung geworden, die Inserate für den Boulevard zu kürzen? Wir fragen beim grünen Gemeinderat Christoph Chorherr nach.

Herr Chorherr, wie steht es um die Inseratenreform?

Wir haben in einem ersten Schritt vereinbart, die Inserate in Summe um ein Drittel zu kürzen. Überproportional soll dies bei Boulevardmedien geschehen. Da die Stadt besonders sparen muss, sollten wir über das Drittel hinausgehen und beim Boulevard noch mehr einsparen. Wenn der Kulturstadtrat vor der Wahl steht, ob man bei der Theater-und Kulturförderung, bei Jugendsportvereinen oder bei der Boulevardpresse kürzt, dann ist für mich die Antwort klar. Nicht nur die Stadt, auch Stadtwerke und Krankenanstaltenverbund sollten kürzen.

Warum ist Ihnen die Kürzung ausgerechnet beim Boulevard so wichtig?

Wer die Stimmung in Europa analysiert, kann das nicht unabhängig von der Boulevardberichterstattung sehen. Ihr Geschäftsmodell ist es, Angst und Ressentiment zu verbreiten -auch wenn einzelne Redakteure durchaus anspruchsvolle Geschichten schreiben. Die Boulevardpresse überzeichnet die Welt als Ort des Schreckens und der Kriminalität. Und die einzige Antwort auf diese Schrecken wären Trump und Le Pen.

Wie kann man Kriterien für so eine Kürzung entwickeln?

Ich denke, man sollte Medien, die wiederholt und systematisch vom Presserat verurteilt werden, nicht auch noch mit Inseraten belohnen.

Die SPÖ wird sich querlegen, sie lebt von wohlwollender Boulevardpresse.

Ich orte auch bei der SPÖ eine zunehmende Sensibilität. Auch für die SPÖ geht die Rechnung schon lange nicht mehr auf. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Boulevardblätter sollen schreiben, was sie wollen. Nur sehe ich nicht ein, dass die Stadt boulevardeske Angstmache fördert, während wir im Kulturbereich sparen sollen.


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