Stadtrand Urbanismus

Das Gras ist nicht grüner

Stadtleben | Lukas Matzinger | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Man neigt in der Fremde zur Romantisierung. Zur Überhöhung ihrer Reize. Zum Neid.

Ich zum Beispiel. Ich war in Barcelona. Was für eine Stadt. Ein einziges riesiges Open-Air-Museum für Architektur, die sich etwas traute, und eine Stadt, die sie ließ. Fremdenverkehr, der das Geld fliegerweise in die Gassen und Ramblas bringt. Eine kulinarische Kultur, in der jeder Standler Wert auf wirklich gutes Essen legt. Und ein Strand, der kein zugemüllter Stadtrand, sondern echt genießenswert ist. Selig, wer hierher geboren wird.

Das Gefühl hält nicht. Denn während reiche Amerikaner vor den Strandhotels Mojitos sippen, faulen die echten Wohnviertel vor sich hin. Viele Jugendliche gehen nicht in die Schule oder zur Arbeit, weil sie keine haben. Bewohner beginnen, Flaggen und Graffiti zu malen, "Tourist go home", weil sie die Stadt unleistbar machen. U-Bahn-Fahrer streiken, weil sie prekär beschäftigt sind. Weil der ganze Glanz nur der Romantisierung dient.

Noch bevor man die Stadt verlassen hat, wird man verstanden haben, dass sie es sind, die uns beneiden. Für eine Stadt, die funktioniert, wie Wien funktioniert. Auch ohne Strand.


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