Ein Platz am Platzl

Eine der hübschesten Locations der Leopoldstadt wurde nun auch gut

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Als das Mader & Pötsch 1989 am „Platzl“, im Erdgeschoß des Hauses „Zum Jonas“ eröffnet wurde, war es so zeitgemäß, wie ein Lokal damals nur sein konnte. Mit durch Kernöl etwas aufgefrischter Beislküche, mit kleinem Schanigarten, mit „gemütlicher“ Einrichtung. Der kleine Platz am Spitz zwischen Zirkusgasse und dem stillen Teil der Praterstraße vor diesem so unglaublich italienisch aussehenden Haus war schon damals grandios, nur war das damals jedem egal. Bis die Leopoldstadt als wirklich heißes Pflaster entdeckt werden sollte, brauchte es noch mindestens 20 Jahre.

Aus dem Mader & Pötsch wurde also irgendwann im Laufe der Jahrzehnte das Mader am Platz’l, das Konzept blieb mehr oder weniger unverändert, und plötzlich waren da rundherum auf einmal das Mochi und das Ansari und das Stewart und Song und Veletage und Balthasar und das O.M.K. Und auf einmal sah das Lokal, das doch vor fast 30 Jahren noch so frisch war, ganz schön alt aus.

Jetzt wollten es viele haben, eh klar, Gabriel Alaev bekam es dank Geduld und einer guten Gesprächsbasis mit dem Vorbesitzer. Der ehemalige Motto-am-Fluss-Mann holte einen brasilianischen Graffiti-Künstler, der das Extrazimmer gestaltete, er ließ sich Holzbretter von 200 Jahre alten Scheunen aus Salzburg kommen, die zu Tischplatten und Bänken geschnitten wurden. Vor einem Monat machte das Ramasuri auf, ist ganz anders als die anderen Lokale, die hier gestürmt werden, und daher genau richtig.

Auch gekocht wird hier ein bisschen anders. Küchenchef Alexander Zerava arbeitete schon in diversen Szenelokalen, hier scheint er frei kochen zu dürfen. Das wird dann hin und wieder vielleicht ein bisschen sehr verspielt, aber auf jeden Fall recht lustig: etwa Ceviche von der – augenblicklich gerade sehr angesagten – Offiziersmakrele mit ein bisserl Passionsfrucht, einer schwarzen Paste vom – gerade sehr angesagten – fermentierten Knoblauch und eine grüne Spinatcreme auch noch – sehr schön, sehr gut, für wirkliche Ceviche allerdings zu trocken und zu wenig Limette, egal, schönes, kleines Fischgericht (€ 11,90).

Oder ein Gericht namens „Aus der Erde“ von der veganen Karte, Spargel in rotem Knusperteig, gelbe Steckrüben – tolles Gemüse, cremig-mürbe – und wieder eine schwarze Paste, diesmal aus Bohnen und leider ein bisschen fad (€ 9,50). Huhn wird in Heu geräuchert, Wels zu Butterschnitzerl gemacht und fürs Backhendl werden die Keulen nicht nur sagenhaft knusprig paniert, sondern auch noch von einer schwarzen Creme (diesmal aus Hühnerleber), gerade sehr angesagter knuspriger Hühnerhaut, violettem Erdäpfelsalat und Salatherzen begleitet – sehr gut, aber so viel Spielzeug kann das Kind schon stressen (€ 14,50).

Das Lokal am Platzl ist jedenfalls wieder angesagt, und zwar völlig zu Recht. Mal schauen, was die in 27 Jahren dort kochen.

Resümee:

Ein hübsches, kleines Lokal in der Praterstraße bekam ein absolut zeitgemäßes Update – optisch und auch kulinarisch.

Ramasuri
2., Praterstr. 19
Tel. 0676/466 80 60
Mo–Sa 8–23 Uhr
ramasuri.at


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