Das Leben der anderen

Unter den tausenden, die vergangenes Jahr in Österreich Schutz suchten, war auch der irakische Fotojournalist Fadel Abbas Al-khuzai. Für den Falter dokumentierte er sein Leben in einem Wiener Flüchtlingsheim

VORSTELLUNG: LUKAS MATZING R | Stadtleben | aus FALTER 22/16 vom 01.06.2016

Er war einer von ihnen. Einer von den 89.098, die vergangenes Jahr nach Österreich kamen und um Schutz baten. Im September ist er am Westbahnhof aus einem vollgestopften Auto ausgestiegen. Nach zwölf Tagen in Booten, Autos, Bussen und auf den Beinen, über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn, hatte er sein Ziel erreicht. Er war in Wien.

Fadel Abbas Al-khuzai ist einer von ihnen. Ein Flüchtling, ein Asylsuchender. Er wohnt im Caritas-Notquartier in der Bachofengasse im 19. Bezirk. Mit 130 anderen. Jede Nacht, wenn er schlafen geht, hört Al-khuzai 30 andere Männer neben sich schnaufen. Er isst mit ihnen, lernt mit ihnen, lebt mit ihnen. Er geht dreimal pro Woche in einen Deutschkurs und wartet auf sein Interview mit der Behörde.

In seiner Heimat war Al-khuzai wer. Er kommt aus einer Stadt im Süden des Irak. Dort hatte er ein gutes Leben. Seine Familie hat Geld, seinem Vater gehören drei Friseursalons. Auch er selbst verdiente gut. Al-khuzai ist ein dekorierter

  730 Wörter       4 Minuten
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