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Politik | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Schmerz: ja. Hass: nein.

Der Abend des 13. November 2015 beginnt ruhig. Antoine Leiris, 34, hat gerade Sohn Melvil, 17 Monate alt, ins Bett gebracht. Seine Frau Hélène ist in ein Konzert gegangen. Um elf Uhr erhält der Journalist eine SMS, ob bei ihnen alles in Ordnung sei. Er schaltet den Fernseher ein und erfährt vom Terrorattentat auf Le Bataclan, den Club, in dem seine Frau verabredet war.

Es dauert einen Tag, bis er mit Sicherheit weiß, dass sie tot ist, gestorben zusammen mit 89 weiteren Menschen im Kugelhagel der Kalaschnikows. Zwei Tage später stellt Leiris ein Posting online: "Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Kindes, aber ihr bekommt meinen Hass nicht. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es nicht wissen, ihr seid tote Seelen." Auch den Hass seines Sohnes würden sie nicht bekommen, so hofft er wenigstens: "Sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge euch beleidigen, indem er glücklich


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