Ein frivoler Bilderstürmer: Paul Verhoeven in Wien

Empfehlung: Gerhard Midding | Feuilleton | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Es gäbe so viel Sex in "Das Mädchen Keetje Tippel" von 1975, behauptet Paul Verhoeven, weil das Budget nicht für Massenszenen und Demonstrationen reichte. Schließlich wollte er in dem sozialistischen Schelmenroman von Ausbeutung erzählen, und die manifestiert sich eben auch in den Geschlechterverhältnissen. Das mag zur Hälfte stimmen - und seine Sorge entkräften, die Ironie sei eine verlorengegangene Kunst.

Mit unbeirrtem Elan lässt sich Verhoeven, heute vor allem als Regisseur von "Basic Instinct" und "Showgirls" bekannt, auf Ambivalenzen ein. Für ihn müssen die Armen nicht solidarisch sein und Schäbigkeit ist kein Privileg der Reichen. Den Geboten der Pietät spottet der Niederländer mit einer inszenatorischen Chuzpe, die die Moral zu einer Frage der Schaulust macht. Sein Argument ist die Unbestechlichkeit menschlicher Begierden: Die Sinnenfreude klagt noch in höchster Gefahr ihr Recht ein.

Im Wiener Filmmuseum gibt der 77-Jährige dieser Tage eine Masterclass. Da wird er

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